Landwirtschaft in Neumarkt leistet über eine Million Euro für das Gemeinwohl
05.11.2026 – Neumarkt
Erstes Programmjahr der Gemeinwohlprämie - 18 Betriebe beteiligt - 32.300 Euro ausgezahlt
Die Neumarkter Landwirtschaft erbringt Leistungen für das Gemeinwohl im Wert von 1.011.128 Euro. Dies zeigen zumindest die 18 teilnehmenden landwirtschaftlichen Betriebe, die im ersten Jahr des Vergütungsprogramms zur Honorierung von Gemeinwohlleistungen dabei sind. Die Stadt Neumarkt hat als erste Kommune in Deutschland überhaupt ein derartiges Vergütungsprogramm aufgelegt. Die Ergebnisse wurden am Dienstagabend im Bürgerzentrum in Pölling vorgestellt. Der Wert wurde mit der Regionalwertleistungsrechnung ermittelt. Grundlegendes Kriterium für die Teilnahme am Programm ist lediglich, dass der landwirtschaftliche Betrieb mindestens 5 ha im Stadtgebiet Neumarkt bewirtschaften muss.
„Über eine Million Euro an Nachhaltigkeitsleistungen, das ist ein starkes Ergebnis. Diese Leistungen sind unschätzbar für die Lebensqualität in Neumarkt und tauchen bisher auf keiner Rechnung auf. Ich hoffe, dass unser Programm einen Diskurs anstößt, wie die Vergütung von Gemeinwohlleistungen in den nächsten Jahren auf eine breitere Basis gestellt werden kann“, so Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn.
Landwirtschaftliche Betriebe steigern die Fruchtbarkeit der Böden, schützen das Grundwasser, schaffen Lebensräume für Wildtiere, bauen betriebseigene Futtermittel an, erhöhen die ökonomische Wertschöpfung und fördern regionale Wirtschaftskreisläufe. Diese Leistungen werden im klassischen Wirtschaftssystem bislang weder bilanziell erfasst noch entsprechend vergütet.
Nach einem einjährigen Prozess mit Einbindung von verschiedenen Fachstellen und acht teilnehmenden landwirtschaftlichen „Pilotbetrieben“ wurde ein Modell entwickelt, wie diese Leistungen sichtbar gemacht und wertgeschätzt werden können. Grundlage dafür ist die Regionalwertleistungsrechnung. Sie macht die ökologischen, sozialen und regionalökonomischen Leistungen landwirtschaftlicher Betriebe anhand von bis zu 500 Kennzahlen messbar und bewertet sie wirtschaftlich. Der Stadtrat der Stadt Neumarkt hatte schließlich im Herbst 2025 einstimmig 100.000 Euro für das dreijährige Programm frei gegeben.
Die Ergebnisse im Überblick
Bis Juli 2026 haben noch sechs landwirtschaftliche Betriebe am Programm teilgenommen, danach kamen zwölf weitere hinzu. Im Programmjahr 2026 werden somit insgesamt 32.300 Euro Gemeinwohlprämie an die Betriebe ausgezahlt, die einen Mindestnachhaltigkeitsgrad von 55 % erreicht haben. Je höher der Nachhaltigkeitsgrad, desto höher die Prämie. Der durchschnittliche Nachhaltigkeitsgrad aller 18 teilnehmenden Betriebe liegt bei 63 %. Die Bandbreite reicht dabei von 47% bis 78 %.
Besonders lohnt es sich, einzelne Kennzahlen herauszustellen. So können die 18 Neumarkter landwirtschaftlichen Betriebe insgesamt Spitzenwerte beim Fachkräfteanteil (100 %), Wassermanagement (100 %), Extensive Mastrinderhaltung (100 %), Unabhängigkeit von Saisonarbeitskräften (99,8 %) und flächengebundene Tierhaltung (88,7 %) vorweisen.
Urkunden der Wertschätzung für die teilnehmenden Betriebe
Neben den bereits im Juli ausgezeichneten 6 Betrieben erhielten jetzt am Dienstagabend im Bürgerzentrum folgende weitere 12 Betriebe die „Urkunde der Wertschätzung“ für die Erbringung der Gemeinwohlleistungen (9 davon waren persönlich anwesend): Florian Dirnhofer, Claudia Fiehl, Michael Gärtner, Helmut Gradl, Andreas Hollweck, Tobias Karches, Stefan Knipfer, Lukas Lutter, Markus Messerer, Klaus Pätzold, Hans Silberhorn und Markus Winkler.
Amtsleiter für Nachhaltigkeit Ralf Mützel stellte zudem die Ergebnisse im ersten Programmjahr vor und lädt die Teilnehmenden ein, weiter dran zu bleiben: „Betriebe, die den Mindestnachhaltigkeitsgrad dieses Mal noch nicht erreicht haben, profitieren dennoch von den ermittelten Kennzahlen, denn diese können den Blick darauf lenken, was der Betrieb weiter optimieren kann. Eine Wieder- oder Neuanmeldung für die kommenden beiden Programmjahre ist jederzeit möglich.“
Das Programm entstand mit der Regionalwertleistungen GmbH, die den Regionalwertleistungsrechner bereitstellt und die fachliche Beratung der landwirtschaftlichen Betriebe durchführt. Die Neumarkter Lammsbräu hat zu Beginn ihre Erfahrungen aus der Regionalwertleistungsrechnung im Unternehmensumfeld eingebracht und war damit wichtiger Impulsgeber. Das Kompetenzzentrum Nachhaltige Ernährungs- und Ressourcenwirtschaft der TH Nürnberg am Standort Neumarkt mit Prof. Dr. Jan Niessen begleitet das Programm wissenschaftlich. Das Amt für Nachhaltigkeit koordiniert die Umsetzung, organisiert den Austausch und übernimmt die Öffentlichkeitsarbeit.
Kontakt: Amt für Nachhaltigkeit, Ralf Mützel, Tel. 09181/255-2608, E-Mail: ralf.muetzel@neumarkt.de, www.neumarkt-nachhaltig.de

Foto (Lara Koller): Im Bürgerzentrum Pölling wurden jetzt durch Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn (ganz links im Bild) weitere „Urkunden der Wertschätzung“ an Neumarkter landwirtschaftliche Betriebe überreicht. Insgesamt wurden im ersten Programmjahr zur Förderung von Gemeinwohlleistungen 32.300 Euro ausgezahlt.