Deine Geschichte ist nicht zu Ende: Warum Suizidprävention uns alle angeht
07.09.2026 – Neumarkt / Landkreis
In Deutschland nimmt sich alle 51 Minuten ein Mensch das Leben und etwa alle fünf Minuten findet ein Suizidversuch statt. Das sind Zahlen, die erschrecken und doch selten zur Sprache kommen. Am 10. September, dem Welttag der Suizidprävention, richtet sich der Blick auf dieses Thema mit dem Ziel, aufzuklären, Tabus zu brechen und Hilfe sichtbarer zu machen.
Ein Ziel, das auch die Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft Neumarkt verfolgt. Die Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft ist ein Zusammenschluss aller an der Versorgung psychisch erkrankter und belasteter Menschen im Landkreis beteiligten Einrichtungen und Institutionen mit Geschäftsführung beim Gesundheitsamt.
Eine stille Krise – auch im Landkreis Neumarkt
2024 starben in Deutschland 10.372 Menschen durch Suizid. Das sind deutlich mehr Todesfälle als durch Verkehrsunfälle, Gewaltverbrechen, illegale Drogen und AIDS zusammen. Mit zunehmendem Lebensalter steigt das Suizidrisiko deutlich und das durchschnittliche Alter der Verstorbenen liegt bei rund 62 Jahren. Doch auch junge Menschen sind betroffen, denn in ihrer Altersgruppe sind Suizidversuche besonders häufig, vor allem unter jungen Frauen.
Auch in Bayern zeigt der Gesundheitsatlas des LGL die Dimension: im 5-Jahres-Mittel (2020-2024) sterben jährlich 1.737 Menschen durch Suizid. Für den Landkreis Neumarkt liegt der Durchschnitt bei 17,5 Fällen im Jahr. Das bedeutet: Etwa alle drei Wochen verliert ein Mensch in unserem Landkreis sein Leben durch Suizid.
Suizid ist kein Randthema, sondern betrifft Menschen aller Altersgruppen und sozialen Schichten. Die wichtigste präventive Maßnahme ist schlicht und anspruchsvoll zugleich: darüber sprechen und Hilfsangebote zugänglich machen.
Suizidalität entsteht selten plötzlich. Häufig geht ihr eine lange Phase des Leidens voraus. Besonders gefährdet sind Menschen mit psychischen Erkrankungen, wie etwa Depressionen oder Suchtverhalten. Auch Personen mit bereits erfolgten Suizidversuchen tragen ein erhöhtes Risiko. Gleiches gilt für ältere Menschen, die unter Einsamkeit oder schweren chronischen Krankheiten leiden. Doch auch junge Erwachsene sind gefährdet, besonders wenn sie in Entwicklungs- oder Beziehungskrisen stecken.
Suizidale Menschen zeigen oft Warnsignale: Zu diesen zählen der soziale Rückzug aus dem Freundeskreis und der Familie oder eine deutliche Verschlechterung des psychischen Zustands. Es können sich außerdem Auswirkungen auf Stimmung, Schlaf oder Verhalten zeigen. Häufig äußern Betroffene auch direkt ihre Suizidgedanken oder deuten verdeckt darauf hin.
Fachleute betonen, dass Angehörige im Verdachtsfall nicht davor scheuen sollten, Betroffene anzusprechen, denn häufig bringt ein Gespräch Entlastung. Mitmenschen sollten hierbei aus ihrer eigenen Wahrnehmung heraus sprechen und auf konkrete Hilfsangebote verweisen. Wichtig ist aber, dass auch Angehörige ihre Grenzen nicht überschreiten und bei Bedarf auf professionelle Hilfsmöglichkeiten zurückgreifen.
Suizid und Suizidversuche sind kein Ausdruck einer freien Entscheidung. Sie entstehen meist aus schwerer psychischer, sozialer oder körperlicher Not. Echte Prävention bedeutet, diese Situation anzuerkennen und Betroffene nicht allein zu lassen. Der Welttag der Suizidprävention erinnert daran, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht mit einer Geschichte, die weitergehen kann.
Hier finden Sie Hilfe
Bei akuter oder anhaltender seelischer Belastung finden Betroffene und Angehörige Hilfe unter der Rufnummer des Krisendienstes 0800 655 3000 und im Bezirksklinikum Regensburg Tel.: 0941 941-0
Weitere Hilfe im Landkreis bietet der Sozialpsychiatrische Dienst der Diakonie NAH e.V. unter Tel. 09181/ 4640-0, die Suchtberatung der Diakonie NAH e.V. unter Tel. 09181/ 44 09 06 sowie das Gesundheitsamt unter Tel. 09181 470-1512 an.
Beim Gesundheitsamt ist auch der Pocket-Flyer „Suizid“ mit kurzen Informationen zu Alarmzeichen und Anlaufstellen erhältlich.