Führerscheinkosten senken – aber nicht zu jedem Preis!
18.03.2026 Neumarkt / Landkreis.
Heinisch im Austausch mit Fahrschulen: Führerscheinkosten senken – aber nicht auf Kosten von Qualität, Sicherheit und zu Lasten der Fahrschulen
Die aktuellen Reformvorschläge zur Senkung der Führerscheinkosten sind nach Ansicht von Bernhard Heinisch MdL noch nicht ausgereift sind – im Gegenteil – es bestehe die Gefahr, die Verkehrssicherheit sowie die Ausbildungsqualität massiv zu gefährden.
„Wir stehen klar für eine Entlastung der Bürgerinnen und Bürger bei den Führerscheinkosten. Mobilität darf kein Luxusgut sein. Gleichzeitig darf diese Entlastung aber nicht einseitig auf dem Rücken der Fahrschulen ausgetragen werden – und schon gar nicht zulasten der Verkehrssicherheit.“, so Heinisch
Um die Perspektive der Fahrschulen noch besser zu verstehen, hatte Heinisch bereits im vergangenen Jahr Marcus Popel, Inhaber und leitender Fahrlehrer der Fahrschule Popel aus Amberg, im Bayerischen Landtag zu Gast. Schon dieses Gespräch lieferte wertvolle Einblicke und Erkenntnisse. Nun setzte Heinisch den Austausch fort und traf mit Manfred Schreiner von der Fahrschule Schreiner aus Mühlhausen einen weiteren erfahrenen Fahrschulbetreiber – diesmal aus seinem Betreuungsstimmkreis Neumarkt. Schreiner schilderte ausführlich seine Sicht auf die geplanten Reformvorschläge. Dabei bestätigte sich erneut der Eindruck, dass die vorgesehenen Änderungen mit einer Reihe neuer Risiken und Problemen verbunden sind.
Theoretische Ausbildung: Digitalisierung mit Risiken
Die geplante Freigabe der Unterrichtsformate würden den klassischen Präsenzunterricht weitgehend verdrängen, so Schreiner. Große Anbieter könnten den Markt dominieren, was zu einem deutlichen Qualitätsverlust führen kann. Der fehlende persönliche Kontakt zwischen Fahrlehrer und Fahrschüler wird den Lernerfolg mindern – insbesondere bei Menschen mit sprachlichen oder intellektuellen Defiziten. Die Folge: steigende Durchfallquoten und letztlich höhere Kosten.
Auch der geplante Bürokratieabbau, etwa durch den Wegfall klarer Anforderungen an Unterrichtsräume oder die Abschaffung der Feststellung der Prüfungsreife, bringt kaum Einsparungen, berge aber erhebliche Risiken für die Ausbildungsqualität.
Die Reduzierung des Fragenkatalogs werde von den Fahrschulen grundsätzlich begrüßt, führe jedoch nicht zu einer spürbaren Kostensenkung, erklärte Schreiner.
Praktische Ausbildung: Sicherheit darf nicht geopfert werden
Simulatoren können die Ausbildung sinnvoll ergänzen, ersetzen aber keinesfalls die reale Fahrpraxis. Zudem sind sie teuer in Anschaffung und Betrieb, sodass Einsparungen kaum zu erwarten sind.
Besonders kritisch sehen die Freien Wähler die drastische Reduzierung der verpflichtenden Sonderfahrten um bis zu 75 Prozent:
„Das ist ein Rückschritt in die 1970er Jahre und aus unserer Sicht völlig unverantwortlich“, so Heinisch. Fahrlehrer Manfred Schreiner pflichte ihm bei: Gerade Fahrten auf Autobahnen, bei Dunkelheit und auf Landstraßen sind essenziell für die Sicherheit. Fahranfänger verunglücken besonders häufig außerorts und nachts - genau dort, wo künftig weniger ausgebildet werden soll.“
Ein moderates Anpassen einzelner Stunden sei denkbar, jedoch nur in einem verantwortungsvollen Rahmen.
Fahrprüfung: Deutliche Qualitätsverluste drohen
Die geplante Verkürzung der Prüfungsdauer würde die tatsächliche Fahrzeit erheblich reduzieren – auf etwa 20 Minuten. Damit droht eine „Prüfung light“, bei der wichtige Fahrsituationen, etwa Autobahnfahrten im ländlichen Raum, kaum noch geprüft werden können. Gleichzeitig ist fraglich, ob dadurch überhaupt Kosten eingespart werden, da Prüforganisationen wirtschaftlich handeln müssen.
Experimentierklausel und Laienausbildung: Irrweg statt Lösung
Die Übertragung des österreichischen Systems werde kritisch gesehen, da dieses strukturell nicht mit dem deutschen Modell vergleichbar ist. Auch die Wiedereinführung einer Laienausbildung lehnen die Freien Wähler entschieden ab. Bereits in den 1980er Jahren wurde dieses Modell aus guten Gründen abgeschafft.
„Laien verfügen in der Regel weder über die notwendige pädagogische noch über die verkehrsrechtliche Kompetenz. Die daraus entstehenden Defizite müssen später teuer ausgeglichen werden“, so Heinisch.
Auch eine sogenannte „Erfolgstransparenz“, die Fahrschulen für die Leistung von Laien verantwortlich macht, wird klar abgelehnt.
Fazit: Keine echte Entlastung in Sicht
Fahrschulen stehen bereits heute unter erheblichem Kostendruck durch steigende Ausgaben für Personal, Fahrzeuge, Kraftstoff, Versicherungen und Mieten. Zusätzliche Einnahmeverluste könnten viele Betriebe zur Aufgabe zwingen.
„Die Wahrheit ist: Eine deutliche Senkung der Führerscheinkosten wird durch diese Maßnahmen nicht erreicht. Stattdessen drohen Qualitätsverlust, steigende Unfallzahlen und am Ende sogar höhere Preise“, warnt Schreiner.
Die Freie Wähler Landtagsfraktion unterstützt sinnvolle Reformen und moderne Ansätze – aber nicht um den Preis eines gefährlichen Rückschritts:
„Wir brauchen eine ausgewogene Lösung: Entlastung für die Fahrschüler, Planungssicherheit für die Fahrschulen und vor allem den Erhalt eines hohen Niveaus bei der Verkehrssicherheit. Alles andere ist der falsche Weg.“, so Heinisch

v.l.n.r.: Manfred Schreiner, MdL Bernhard Heinisch, Rainer Angermann und Michael Kopp - Fotograf: Jürgen Kost
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