Digitalisierung in Betrieben schreitet voran
26.06.2026 Nürnberg / Regensburg.
Eine neue IHK-Studie zeigt einen steigenden Digitalisierungsgrad in der Industrie. Kleine Betriebe drohen jedoch den Anschluss zu verlieren.
Die Transformation zur vernetzten digitalen Produktion ist in der nordbayerischen Industrie auf einem guten Weg, aber die aktuelle konjunkturelle Lage hinterlässt deutliche Spuren. Das zeigt die Studie „Industrie-4.0 – Reifegrad-Messung 2025“, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH (IW Consult) im Auftrag der sechs nordbayerischen Industrie- und Handelskammern durchgeführt hat.
Die Umfrage, an der sich 219 Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes beteiligten, liefert dabei ein gemischtes Bild. „Der Reifegrad im Bereich Industrie 4.0 steigt an und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz rückt stark in den Fokus der Betriebe – allerdings drohen kleinere Unternehmen den Anschluss zu verlieren“, betont Michael Vogel, Innovationsreferent bei der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim. Zudem werde die Transformation aktuell durch Finanzierungsprobleme und den Fachkräftemangel ausgebremst.
Reifegrad steigt, Euphorie sinkt
Der durchschnittliche Reifegrad mit Blick auf die Umsetzung von Industrie 4.0 ist im Vergleich zur letzten Umfrage 2022 um weitere fünf Prozent gestiegen. Deutlich mehr als die Hälfte der Unternehmen hat zumindest erste Umsetzungsschritte unternommen. Aber im Vergleich zu den früheren Erhebungen bewerten die Firmen die Chancen von Industrie 4.0 zurückhaltender.
„Dies deutet darauf hin, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die aktuelle Unsicherheit die Investitionsbereitschaft vieler Betriebe beeinflussen“, sagt Dr. Ronald Künneth, Technologiereferent der IHK Nürnberg für Mittelfranken und Koordinator der Studie. Erstmals wurde 2025 auch das Thema KI detailliert abgefragt. Die Unternehmen bewerten die Chancen von KI deutlich höher als die Risiken. Drei Viertel der Betriebe beschäftigen sich bereits intensiv oder zumindest am Rande mit entsprechenden Anwendungen.
Engpässe bei Finanzierung und Fachkräften
Als größtes Hemmnis nennen die Unternehmen inzwischen die fehlende Finanzkraft. Gegenüber der Erhebung 2022 hat die Bedeutung dieses Faktors massiv zugenommen. Besonders stark betroffen sind kleine Unternehmen. Ebenfalls auf hohem Niveau bleiben die Auswirkungen des Fachkräftemangels: Mehr als 70 Prozent der Betriebe sehen fehlende qualifizierte Mitarbeitende als zentrale Herausforderung bei der Umsetzung von Industrie-4.0-Projekten. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Studienergebnissen wider: „Während sich die Unternehmen bei Strategie, vernetzten Prozessen und intelligenten Produkten verbessert haben, ist der Reifegrad im Bereich Mitarbeiterkompetenzen zurückgegangen“, so Vogel von der IHK in Regensburg.
Kleine Firmen fallen zurück
Der Reifegrad hängt dabei stark von der Unternehmensgröße ab. Während große Firmen bei den hohen Reifegraden klar dominieren, befinden sich noch knapp die Hälfte der Betriebe mit weniger als 20 Mitarbeitenden auf der Reifegradstufe 0. Auch bei der KI-Nutzung zeigt sich dieser Graben: Während sich 54 Prozent der Großunternehmen bereits intensiv mit KI befassen, sind es bei den kleineren Betrieben nur 17 Prozent.
Parallel zum steigenden Transformationsdruck suchen die Betriebe verstärkt den Austausch und die Unterstützung durch die IHK-Organisation. Ganz oben stehen Informations- und Aufklärungsarbeit, Wissens- und Technologietransfer sowie Beratungsarbeit. Die nordbayerischen IHKs sehen darin einen klaren Auftrag: „Die Ergebnisse bestätigen, dass die Unternehmen Orientierung und praxisnahe Unterstützung benötigen. Gemeinsam mit unseren Partnern werden wir unsere Angebote zu Digitalisierung, Industrie 4.0 und Künstlicher Intelligenz weiter ausbauen“, so Künneth von der IHK Nürnberg.
Die Studie „Industrie-4.0 – Reifegrad-Messung 2025“ steht unter www.ihk.de/regensburg/industrie4.0 zum Download zur Verfügung.



























