Einladung Ausstellungseröffnung: Eiskalt sind die!
10.04.2026 Rummelsberg.
Neue Ausstellung im Diakoniemuseum Rummelsberg thematisiert Rolle der Diakonie im Nationalsozialismus
Wie konnte es passieren, dass sich Teile der bayerischen Diakonie von der „nationalen Erhebung“ 1933 blenden ließen? Warum glaubten engagierte Christ*innen wie der Rummelsberger Brüderpfarrer Wilhelm Strohm, mit Hitlers Machtergreifung sei „eigentlich das Reich Gottes aufgebrochen“? Und was bedeutete diese fatale Fehleinschätzung für die diakonische Arbeit – von der Zwangssterilisierung bis zur Mitwirkung an der NS-„Euthanasie“?
Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der neuen Ausstellung „Eiskalt sind die! Diakonie und Nationalsozialismus in Bayern“, die am Freitag, 24. April 2026, um 17 Uhr im Diakoniemuseum Rummelsberg eröffnet wird. Landesbischof Christian Kopp wird die Ausstellung im Beisein von Vertreter*innen der bayerischen Landeskirche, des Diakonischen Werks Bayern und der Wissenschaft eröffnen.
Ein dunkles Kapitel – neu aufgearbeitet
Die Ausstellung beleuchtet ein lange vernachlässigtes Thema: die Verstrickung der bayerischen Diakonie in den Nationalsozialismus. Anhand von Originaldokumenten, Biografien, Graphic Novels und innovativen Medienstationen wird gezeigt, wie diakonische Einrichtungen zwischen Anpassung, Mitläuferschaft und vereinzeltem Widerstand schwankten.
Ein besonderer Fokus liegt auf der „Aktion T4“, der systematischen Ermordung von Menschen mit Behinderungen – darunter über 1.200 Patient*innen aus Neuendettelsau, die in die Tötungsanstalt Hartheim deportiert wurden.
„Die Ausstellung konfrontiert uns mit einer schmerzhaften Wahrheit: Auch in der Diakonie gab es Begeisterung für das NS-Regime, und selbst dort, wo man sich distanzierte, fehlte oft der Mut zum Widerstand“, sagt Dr. Thomas Greif, Historiker und Leiter des Diakoniemuseums. „Doch sie zeigt auch, wie wichtig es ist, diese Geschichte zu erzählen – gerade weil die Frage nach der Vereinbarkeit von christlichem Auftrag und menschenverachtender Ideologie heute wieder hochaktuell ist.“
Innovative Vermittlung und bewegende Zeugnisse
Die Ausstellung setzt auf ungewöhnliche Formate:
Graphic Novels zu fünf Opferbiografien, darunter der 15-jährige Alfred Völkel, der die Tötungsanstalt Hadamar überlebte.
Eine KI-generierte Gesprächsstation, die Besucher*innen mit dem Rummelsberger Rektor Karl Nicol ins Gespräch bringt.
Eine Medieninstallation, die die Dimension der NS-„Euthanasie“ erfahrbar macht.
Originalexponate wie das Tagebuch der Rektorengattin Marie Nicol, die 1941 notierte: „Eiskalt sind die!“
Projekt mit gesellschaftlicher Relevanz
Die Ausstellung ist das Ergebnis jahrelanger Forschung: 23 Autor*innen aus Deutschland und den Niederlanden haben einen wissenschaftlichen Begleitband erarbeitet, der die Grundlage bildet. Unterstützt wurde das Projekt vom Diakonischen Werk Bayern und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern – ein Zeichen dafür, wie dringlich die Auseinandersetzung mit diesem Kapitel ist.
„Die Geschichte der Diakonie im Nationalsozialismus ist kein abgeschlossenes Thema“, betont Greif. „Sie mahnt uns, wachsam zu bleiben gegenüber Ideologien, die Menschenwürde infrage stellen.“

Historische Aufnahme aus dem Diakoniewerk Hensoltshöhe. Foto: Stadtarchiv Gunzenhausen

Das Diakoniemuseum Rummelsberg lädt zur Eröffnung der neuen Ausstellung am 24. April 2026 ein. Foto: Lisa Vogel
« zurück
























