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Weichen auf Wachstumskurs stellen

16.03.2026 Amberg.

Der Industrieausschuss der IHK fordert von der Bundesregierung grundlegende Reformen und spürbare Maßnahmen für mehr Wachstum. Der Fokus des politischen Handelns müsse auf der Wettbewerbsfähigkeit liegen.
 
Kriege, Handelsbarrieren, technologische Umbrüche und ein immer härter werdender internationaler Wettbewerb. „Unsere heimischen Industrieunternehmen bewegen sich auf äußerst schwierigem Terrain. Umso wichtiger ist es, dass wir endlich unter besseren Rahmenbedingungen wirtschaften können“, sagt Johannes Helmberger, der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses Industrie, Umwelt, Energie und Technologie der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim bei der Frühjahressitzung im Energiekompetenzzentrum der Stadtwerke Amberg. Seit Jahren fordert die regionale Wirtschaft grundlegende Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit. Der angekündigte „Herbst der Reformen“ ist ausgeblieben und spürbare Maßnahmen für mehr Wachstum seien in der Breite der Industrie nicht angekommen, waren sich die Ausschussmitglieder einig. „Für den Wirtschaftsraum Oberpfalz-Kelheim war die leistungs- und exportstarke Industrie immer ein Erfolgsgarant. Von diesem soliden Wertschöpfungskern profitieren auch andere Branchen“, so Helmberger. Umso wichtiger sei es, dass die Weichen auf einen spürbaren Wachstumskurs gestellt und Standortnachteile abgebaut werden. Die Hebel dafür sind niedrigere Energie- und Lohnnebenkosten, eine zügige Absenkung der Unternehmenssteuern, weniger Bürokratie, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie Investitionen in die Infrastruktur. Bei der Schaffung und Umsetzung wirtschaftsfreundlicher Rahmenbedingungen seien alle politischen Ebenen gefordert – von Brüssel über Berlin und München bis hin zu den Kommunen vor Ort.
 
Schnellere und digitale Verwaltungsverfahren notwendig
 
Dass Handlungsbedarf besteht, belegen auch die Ergebnisse der IHK-Standortumfrage für den Industriesektor, die Sibylle Aumer, Bereichsleiterin Regionalpolitik, Arbeitsmarkt und Statistik bei der IHK, vorstellte. „Mehr als die Hälfte der befragten Industrieunternehmen sehen keine oder eine negative Veränderung der Standortentwicklung in den vergangenen fünf Jahren“, so Aumer. Neben hohen Strompreisen als Standortnachteil, sehen die Betriebe vor allem bei digitalen Verwaltungsverfahren und der Dauer von Genehmigungsverfahren deutliches Optimierungspotenzial. Positiv hingegen bewerten die Befragten die Loyalität und Motivation der Mitarbeitenden sowie die Umwelt- und Lebensqualität in der Region.
 
Strategische Rohstoffsicherung konsequent vorantreiben
 
Zu einer resilienten Wirtschaft zählt auch die sichere Versorgung mit strategisch wichtigen Rohstoffen. Dies machte Dr. Christian Graf von der Dorfner Anzaplan GmbH in Hirschau deutlich. Die Firma ist ein weltweit agierendes Beratungs- und Ingenieurunternehmen für Kritische Rohstoff- sowie Industrie-, Spezialmineralprojekte. Dr. Graf zeigte, dass die heimische Industrie bei wichtigen Technologieanwendungen, beispielsweise für die Energie- und Mobilitätswende, für die Digitalisierung und im Bereich Sicherheit und Verteidigung in hohem Maße von importierten Rohstoffen abhängig sei. Insbesondere China dominiere den Markt für kritische Rohstoffe, wie zum Beispiel Seltene Erden und Graphit. Bei hochreinem Quartz, welches in der Halbleiter-, Solar- und optischen Industrie benötigt wird, bestehe weltweit eine Abhängigkeit von einer Lagerstätte in den USA. „Europa verfolgt zwar mit dem Critical Raw Materials Act richtige Ziele. Zugleich muss aber auch dafür gesorgt werden, dass dies mit finanziellen Maßnahmen entsprechend unterstützt wird, und dass das vorhandene technologische Wissen zur Aufbereitung von Rohstoffen in Europa gehalten wird“, so Dr. Graf.
 
Doch die Verwundbarkeit der Industrie besteht nicht nur bei Rohstoffen. Auch die Bedrohungen durch Cyberattacken sind deutlich gestiegen. Sebastian Halbritter von der dissecto GmbH in Regensburg informierte die Ausschussmitglieder über die Bestimmungen der NIS2-Richtlinie. Aus ihr ergeben für rund 30.000 "besonders wichtige" und "wichtige" Einrichtungen kritischer Infrastrukturen erhöhte Anforderungen hinsichtlich ihrer Netzwerk- und Informationssicherheit. Ebenso machte er auf die Anforderungen des Cyber Reslience Acts aufmerksam. Der CRA gilt für alle Produkte mit digitalen Elementen, die in der EU hergestellt, importiert oder vertrieben werden. Demnach müssen sich Unternehmen nicht nur bei der klassischen IT über Cybersicherheit Gedanken machen, sondern auch bei der Entwicklung, den Produkten und in Bezug auf die Lieferketten.
 
Mehr Digitalisierung im Energiesystem
 
Passend zum Veranstaltungsort, wurden auch Energiethemen diskutiert. Insbesondere Energiespeicher sind ein wichtiger Baustein, um volatile erneuerbare Energien besser nutzen zu können. Josef Bayer von der EnSolVision GmbH in Parsberg erläuterte, dass durch mehr Wärmepumpen, die E-Mobilität und mehr Rechenzentren die bestehenden Netze am Limit seien. „Richtig eingesetzt, helfen Energiespeicher dabei, das Energiesystem auszugleichen. Das allein reicht aber nicht. Die Netze müssen auch intelligenter genutzt werden“, so Bayer. Dadurch kann das Energiesystem insgesamt effizienter und kostengünstiger gestaltet werden. Auch Frank Backowies, Geschäftsführer der Stadtwerke Amberg, hob die Bedeutung von Energiespeichern hervor. Ebenso wies er darauf hin, dass für die Wärmewende Planungssicherheit besonders wichtig sei, damit die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur getätigt werden. „Mit unserem Energiekompetenzzentrum bündeln wir Kompetenz, um die gesamte Gesellschaft in die Energiewende einzubeziehen und darüber zu informieren“ so Backowies.
 
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