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Digitalisierung braucht klare Leitplanken – DGB NM warnt: „Ohne Regeln droht digitale Ausbeutung“

01.12.2025 Neumarkt.

Die Digitalisierung verändert auch in Neumarkt die Arbeitswelt mit rasanter Geschwindigkeit. Ob Lieferdienste, Handwerker per App, Clickwork oder digitale Einsatzplanung: Immer häufiger entscheiden Algorithmen darüber, wer arbeitet, wann gearbeitet wird – und wie viel am Ende verdient wird. Das klingt nach Flexibilität, bedeutet aber für viele Beschäftigte in der Region vor allem eines: Druck, Unsicherheit und fehlende Planbarkeit.
 
Die Aussagen decken sich mit den Ergebnissen des neuen DGB-Reports zur Plattformökonomie in Bayern. Dort zeigt sich: Hinter der versprochenen Flexibilität vieler Plattformen stehen niedrige Einkommen, unsichere Aufträge, fehlende Sozialversicherung und permanente digitale Kontrolle. Besonders betroffen sind junge Menschen und Beschäftigte mit Migrationsgeschichte – Gruppen, die auch in Neumarkt überdurchschnittlich häufig im Niedriglohn oder in Minijobs arbeiten.
 
„Digitalisierung darf kein Freifahrtschein für Lohndumping sein. Wenn Algorithmen Einsatzpläne schreiben oder Bewertungen die nächste Schicht entscheiden, brauchen wir klare Regeln, volle Transparenz und starke Mitbestimmung“, so Olga Redda, Vorsitzende des DGB Kreisverbands Neumarkt. Ob im Handel, im Gastgewerbe, bei Lieferdiensten oder in der Logistik – die Beschäftigten berichten zunehmend von algorithmengesteuerten Einsatzplänen, intransparenten Bewertungssystemen, wachsender Kontrolle durch Apps und steigender Arbeitsverdichtung.
 
„Die digitale Steuerung geht längst über typische Plattformbranchen, wie etwa den Lieferdienstsektor, hinaus und erreicht auch klassische Betriebe in Neumarkt“, warnt Redda. „Ohne klare Vorgaben erleben wir eine Entgrenzung der Arbeit, die Gesundheit und Würde der Beschäftigten gefährdet.“ Stattdessen braucht es laut DGB ein modernes Beschäftigtendatenschutzgesetz, das auch vor Ort endlich Schutz vor Datenauswertung und permanentem Tracking bietet. Zudem sind neben mehr Beratungs- und Qualifizierungsangeboten für Betriebe und Beschäftigte in Neumarkt auch örtliche Initiativen zur Stärkung sozialversicherungspflichtiger Arbeit statt wachsender Abhängigkeit von Minijobs und Niedriglöhnen notwendig.
 
Plattformökonomie wirkt als Beschleuniger prekärer Arbeit. Bereits heute arbeiten viel zu viele Menschen in Neumarkt im Niedriglohnbereich. Allein von den 33.717 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Vollzeit arbeiten in Neumarkt 5.092 zu Niedriglöhnen. Das sind 15,1 Prozent und damit etwas mehr als der bayernweite Durchschnitt von 14,5 Prozent.
 
Für viele ist die Plattformarbeit ein „einfacher Einstieg“, der jedoch in eine Sackgasse aus Unsicherheit und geringen Einkommen führt. „Die Menschen in Neumarkt brauchen Sicherheit – auch im digitalen Wandel. Digitalisierung muss entlasten, nicht überlasten. Sie muss Chancen schaffen, nicht Existenzen zerstören. Wir wollen eine Arbeitswelt, in der Technologie den Menschen dient – nicht umgekehrt. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird unsere Region weiter zum Experimentierfeld für digitale Ausbeutung“, so Redda abschließend.

Report Plattformökonomie 2025

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