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Demenzwoche 2022 – Bedeutung psychischer Erkrankungen für den Pflegegrad

21.09.2022 Neumarkt.

Im Rahmen der bayerischen Demenzwoche 2022 macht die Beratung für psychische Gesundheit im Alter, der Diakonie Neumarkt auf die Bedeutung von psychischen Erkrankungen für den Pflegegrad aufmerksam.

Viele wissen nicht, dass es einen Pflegegrad für psychische Erkrankungen im Alter gibt. Dabei ist Demenz eine der häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter und geht oft mit Depressionen einher. Aufgrund der Abbauprozesse im Gehirn und den damit einhergehenden psychischen Auswirkungen für die Betroffenen, erscheint dies auch nachvollziehbar. Seit der Einführung des Pflegestärkungsgesetzes II in.2017 werden bei der Beurteilung der Pflegebedürftigkeit nicht mehr nur physische (körperliche) Beeinträchtigungen, sondern auch psychische (seelische) gleichermaßen berücksichtigt. Die allgemeine Definition von Pflegebedürftigkeit beinhaltet, dass die Beeinträchtigung auf Dauer besteht – voraussichtlich mindestens sechs Monate - und mit einer gewissen Schwere der Beeinträchtigung der Selbständigkeit und der Fähigkeiten einhergeht.

Ob ein Pflegegrad genehmigt wird, ist davon abhängig, wie viel Unterstützung die erkrankte Person benötigt, um ihr tägliches Leben zu bewältigen. Der Schwerpunkt der Pflege liegt also nicht auf den klassischen pflegerischen Maßnahmen wie selbständig waschen, essen, trinken oder gehen. Es geht vielmehr darum, dass von psychischen Erkrankungen Betroffene evtl. nicht in der Lage sind ihren Alltag eigenständig und ohne regelmäßige Begleitung und Betreuung zu gestalten. Dazu können folgende Symptome beitragen: Angst, Antriebslosigkeit, Gedächtnisstörungen, innere Unruhe, Interessenverlust, Konzentrationsstörungen, Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, undefinierbare Schmerzen, Wahnvorstellungen.

Nicht jedes einzelne Symptom spricht für eine psychische Erkrankung, sondern eher eine länger andauernde Veränderung der Persönlichkeit eines Betroffenen und dass eigene Bewältigungsversuche nicht mehr gelingen. Meist treten ja mehrere Symptome gleichzeitig auf, sodass deutlich zu erkennen ist, dass hier eine Krankheit vorliegt. Nicht selten gehen körperliche Erkrankungen und psychische Belastungen Hand in Hand, bedingen sich gegenseitig. Der Betroffene kann dann ohne Unterstützung nicht mehr alleine wohnen oder seinen Alltag meistern. Es ist dafür regelmäßig Anleitung und Betreuung durch eine Pflegeperson /Betreuungsperson nötig. Betroffene verweigern evtl. das Essen, die Körperpflege wird stark vernachlässigt, oder die Kommunikation untereinander ist zunehmend beeinträchtigt.

Besonders wichtig für einen Pflegeantrag ist es bei der Begutachtung offen und detailliert die Symptome und Problematiken darzustellen, also wo und wie hoch der Mehraufwand durch die psychische Beeinträchtigung ist.

Beispiele: Menschen mit Demenz benötigen Unterstützung beim Anziehen und der Kleiderauswahl.  Es könnte sein, dass sie die Jahreszeiten verwechseln und ziehen ohne Betreuung bei Kälte ein Sommerkleid an. Menschen mit Angstzuständen brauchen mehr Zusprache, evtl. Dinge zu tun, auch wenn sie Ihnen Angst einflößen.

Depressive Menschen profitieren von sozialen Kontakten. Ohne Begleitung schaffen sie das aber oft nicht, d.h. dass beispielsweise ein Angehöriger die Initiative übernimmt und begleitet. Das regelmäßige Einnehmen der Medikamente wird durch Konzentrationsstörungen und Verwirrtheit manchmal sehr erschwert. Die Betroffenen nehmen die falsche Dosis oder gar keine Medikamente ein. Auch hier muss regelmäßig unterstützt werden.

Betroffene Familien sollten sich darüber im Klaren sein oder werden, dass psychische Belastungen oder Erkrankungen ebenso zur Pflegebedürftigkeit beitragen können Scham ist in diesen Zusammenhängen eine normale Reaktion, man will sich keine Blöße geben. Damit verhindert wird aber verhindert, dass Betroffene und Angehörige eine angemessene Entlastung bekommen, auf die sie nach entsprechender Begutachtung sogar einen gesetzlichen Anspruch haben.

Für die Feststellung des Pflegegrades sind eine entsprechende Stellungnahme eines Arztes (Hausarzt oder Psychiater), ein Pflegetagebuch, die Begleitung eines Angehörigen und eine umfangreiche Schilderung der Gesamtproblematik hilfreich.

Die Beratung für seelische Gesundheit im Alter begleitet und informiert Betroffene und Angehörige in Gesprächen, vermittelt weiterführende Hilfen und unterstützt evtl. bei Behörden und Arztbesuchen. Rechtsberatung zur Erfüllung von vermeintlich rechtlichen Ansprüchen ist uns nicht möglich.

Kontakt: Beratung für psychische Gesundheit im Alter, Sozialpsychiatrischer Dienst, Friedenstr.33,Neumarkt. Tel: 09181/46400, www.diakonie-ahn.de

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