Industrie braucht verlässliche Perspektiven

03.11.2026 – Roding

Um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts zu sichern, kommt es aus Sicht des IHK-Industrieausschusses auf eine bezahlbare Energieversorgung, leistungsfähige Netze, weniger Bürokratie und mehr Tempo bei der Digitalisierung an.

Welche Weichen müssen für einen Industriestandort gestellt werden, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben? Damit beschäftigten sich die Mitglieder des Ausschusses Industrie, Umwelt, Energie und Technologie der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim in ihrer Herbstsitzung. Im Mittelpunkt standen aktuelle Entwicklungen auf den Energiemärkten, die Zukunft der Stromnetzinfrastruktur sowie der Einsatz von KI in der Industrie.

Gastgeber waren Stefan und Benedikt Kulzer, Geschäftsführer der SK TECHNOLOGY GmbH in Roding. Das Familienunternehmen zählt zu den international führenden Spezialisten für Präzisionstechnik und beschäftigt an den Standorten Roding sowie Waldmünchen knapp 300 Mitarbeitende.

Dauerthema Bürokratie

Zu Beginn der Sitzung verwies Ausschussvorsitzender Stephan K. Fischer auf die weiterhin schwierigen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Zwar deute die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage auf eine vorsichtige Aufhellung der Stimmung in der Industrie hin, gleichzeitig belasteten jedoch hohe Energie- und Arbeitskosten sowie bürokratische Anforderungen viele Unternehmen erheblich.

„Um Investitionen zu stärken und langfristige Perspektiven zu ermöglichen, sind spürbare Entlastungen und ein konsequenter Bürokratieabbau auf allen politischen Ebenen erforderlich. Die überbordende Bürokratie kostet täglich Wertschöpfung. Laut einer Studie des ifo-Instituts rund 150 Milliarden Euro pro Jahr“, sagte Fischer. Wie groß die Herausforderungen in der Praxis sind, zeigte IHK-Umweltreferent Tobias Hornauer an der seit August geltenden europäischen Verpackungsverordnung (PPWR) – „einem Paradebeispiel für schlecht gemachte Gesetzgebung“, wie Ausschussvorsitzender Fischer betonte.

Nach wie vor gebe es hier viele Unklarheiten und widersprüchliche Auslegungen. Die EU habe daher den Mitgliedstaaten empfohlen, die ersten sechs Monate keine Sanktionen zu verhängen. „Die neuen regulatorischen Anforderungen bedeuten einen massiven bürokratischen Aufwand für die Betriebe. Der Druck innerhalb der Lieferketten ist bereits seit einiger Zeit immens hoch“, so Hornauer. Die Politik scheint den Ernst der Lage mittlerweile verstanden zu haben, jedoch seien die zur Diskussion stehenden Nachbesserungen noch nicht zufriedenstellend.

Augen auf beim Energieeinkauf

Grundsätzlich zählen verlässliche und international wettbewerbsfähige Energiepreise weiterhin zu den wichtigsten Standortfaktoren für die heimische Industrie. Einen Überblick über aktuelle Entwicklungen auf den Energiemärkten gab Markus Oberhoff, Vorstand der re-sult AG in Regensburg. Er erläuterte die Zusammenhänge zwischen Energiepreisen, Netzentgelten und regulatorischen Vorgaben sowie die Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie.

Oberhoff zeigte zudem mögliche Handlungsspielräume für Betriebe im Energieeinkauf und Energiemanagement für die kommenden Jahre – dennoch sei die Lage auf den Märkten unter anderem wegen des Nah-Ost-Konflikts kaum vorhersehbar. Durch individuelle Beschaffungsmodelle oder den richtigen Kaufzeitpunkt könnten die Kosten für Betriebe aber wesentlich optimiert werden, riet Oberhoff. Insgesamt erfordere der Stromkauf eine strategische Herangehensweise, um sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Ziele zu erreichen.

IHK-Energieexperte Richard Röck stellte im Zuge dessen die Forderungen der IHK zur Sicherung von Netzkapazitäten und -anschlüssen vor. Hintergrund seien die steigenden Anforderungen an die Stromnetze durch die Elektrifizierung von Produktionsprozessen, den Ausbau der Ladeinfrastruktur, Speichertechnologien sowie den wachsenden Bedarf von Rechenzentren. Die Ausschussmitglieder sprachen sich für einen zügigen, bedarfsgerechten und effizienten Netzausbau aus.

KI und digitale Zwillinge

Mit den Chancen Künstlicher Intelligenz für industrielle Anwendungen beschäftigte sich Dr. Sebastian Erdenreich, Gründer und Geschäftsführer der trinnovative GmbH in Regensburg. Er zeigte auf, wie generative KI zur Auswertung großer Datenmengen, zur frühzeitigen Fehlererkennung und zur effektiven Steuerung von Produktionsprozessen eingesetzt werden kann. Die aktuellen KI-Sprachmodelle seien bereits so leistungsfähig, dass Firmen sie schon jetzt jederzeit einsetzen könnten, so Dr. Erdenreich. Abwarten mache wenig Sinn, der beste Ansatz sei Ausprobieren.

Wie digitale Technologien und KI die Produktionsplanung und -steuerung verändern, erläuterte Stephan Stauber von der SimPlan AG. Digitale Zwillinge, die direkt mit den realen Anlagen gekoppelt seien, ermöglichten es Unternehmen, Produktionsabläufe zu simulieren und Optimierungspotenziale frühzeitig zu erkennen. Auch hier seien gut gepflegte Daten und Prozessbeschreibungen ein entscheidender Erfolgsfaktor.

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