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Wasserstoff als Chance für die Region: Regionalkonzept zeigt Zukunftsperspektiven für Bayern und Böhmen

09.10.2026 – Amberg-Weiden

Kaum ein Energieträger wird so kontrovers diskutiert wie Wasserstoff. Ineffizienz, hohe Kosten, fehlende Infastruktur und Gefahrenpotenzial werden von den einen als Bedenken genannt, während andere ihn dafür loben, dass er klimafreundlich, speicherbar und vielseitig ist. Die OTH Amberg-Weiden hat sich diese Pro-und-Contra-Liste vorgenommen und im deutsch-tschechischen Forschungs- und Transferprojekt HyBaBo erforscht, ob und wie eine grenzüberschreitende Region ihre Energieversorgung langfristig klimafreundlich, resilient und wirtschaftlich tragfähig mit Wasserstoff gestalten kann.

Nun wurden die Ergebnisse veröffentlicht und sie zeigen: Wasserstoff kann insbesondere für Industrie, Schwerlastverkehr und kommunale Mobilität eine zentrale Rolle spielen. Zugleich braucht der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft starke Netzwerke, belastbare Daten und enge Zusammenarbeit zwischen Forschung, Wirtschaft und Politik.

Wissenschaftliche Grundlage für die Energieplanung der Region

Im Rahmen des Projekts wurden unter anderem 65 Unternehmen und Institutionen aus der Region befragt, um den zukünftigen Wasserstoffbedarf zu analysieren. Daraus entwickelten die Forschenden drei Szenarien bis zum Jahr 2050, die von konservativen bis hin zu ambitionierten Entwicklungspfaden reichen. Besonders deutlich wurde dabei: Vor allem industrielle Prozesse mit Temperaturen über 1.000 Grad Celsius werden langfristig weiterhin auf gasförmige Energieträger angewiesen sein. Dazu zählen beispielsweise bestimmte Anwendungen in der Glasindustrie.

„Viele industrielle Prozesse lassen sich elektrifizieren, aber nicht alle“, erklärt Maximilian Schinhammer vom Institut für Energietechnik (IfE) der OTH Amberg-Weiden und Mitglied des Projektteams. „Gerade bei sehr hohen Temperaturen bleibt Wasserstoff eine wichtige Option.“

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie viel Wasserstoff regional erzeugt werden kann. Analysiert wurden sowohl Elektrolyse auf Basis erneuerbarer Energien als auch die Nutzung biogener Reststoffe aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft und kommunalen Abfallströmen. Die Ergebnisse zeigen: Die regionale Produktion kann einen wichtigen Beitrag leisten, wird den zukünftigen Bedarf jedoch voraussichtlich nicht vollständig decken können. Langfristig wird deshalb eine Anbindung an nationale und europäische Wasserstoffnetze entscheidend sein.

Konkrete Potenziale für Mobilität und Infrastruktur

Auch konkrete Infrastrukturbedarfe wurden untersucht. Das Projekt identifizierte mögliche Standorte für Elektrolyseanlagen, Wasserstofftankstellen und industrielle Anwendungen. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei der Mobilität. Hier zeigt sich ein klassisches Problem der Transformation: Ohne Tankstellen keine Fahrzeuge, ohne Fahrzeuge keine Tankstellen. Nun sind Wasserstofftankstellen in der Region geplant. Förderungen unterstützen den weiteren Hochlauf, doch viele Programme konzentrieren sich zunächst auf Standorte entlang der europäischen Kernverkehrsnetze. Dennoch sehen die Projektpartner Potenzial. Dabei erweisen sich Busverkehr, Stadtverkehr und LKW- und Schwerlastverkehr als sehr gute Anwendungsbereiche, die sich für die Umrüstung auf Wasserstoff als sinnvoll und praktikabel erweisen.  

Beispielrechnungen zeigen zudem, dass bereits Teile regionaler Bioabfälle künftig zur Wasserstofferzeugung genutzt werden könnten, etwa zur Versorgung kommunaler Busflotten. Gleichzeitig betonen die Forschenden, dass solche Potenziale immer im Zusammenhang mit nachhaltigen Stoffkreisläufen bewertet werden müssen.

OTH Amberg-Weiden stärkt Transfer und regionale Vernetzung

Neben der wissenschaftlichen Analyse stand insbesondere der Wissenstransfer im Mittelpunkt des Projekts. Die OTH Amberg-Weiden brachte ihre Expertise nicht nur in Forschung und Szenarienentwicklung ein, sondern engagierte sich auch intensiv im Aufbau eines grenzüberschreitenden Netzwerks.

„Die Transformation der Energieversorgung gelingt nur, wenn Wissen breit geteilt wird“, erklärt die operative Projektleitung Anna Lena Reinhardt. „Unser Ziel war es deshalb nicht nur, Daten zu erheben, sondern auch ein regionales Netzwerk aufzubauen.“ So wurde etwa auch ein Crashkurs zum Thema Wasserstoff entwickelt und in mehreren Veranstaltungen vorgestellt. Auch Exkursionen spielten eine wichtige Rolle im Projekt: Teilnehmende besuchten unter anderem den Energiepark Wunsiedel, die Müllverbrennungsanlage ZMS in Schwandorf sowie die Hochschulstandorte in Amberg und Hof. Ziel war es, Wasserstofftechnologien nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern konkrete Anwendungen und Infrastrukturprojekte sichtbar zu machen.

Die Ergebnisse des Projekts machen deutlich: Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft ist ein langfristiger Transformationsprozess, der technologische Innovation, wissenschaftliche Begleitung und regionale Zusammenarbeit gleichermaßen erfordert. Hier möchte die OTH Amberg-Weiden mit ihrer Forschung und ihrem Transferengagement wesentlich dazu beitragen, dass die Region Bayern–Böhmen diese Entwicklung aktiv mitgestalten kann.

Nachfolgeprojekt HyAdvanCE baut auf HyBaBo auf

Deswegen führt die Hochschule die Forschung in dem Bereich auch im europäischen Nachfolgeprojekt HyAdvanCE fort. Das im INTERREG-Central-EUROPE-Kapitalisierungscall bewilligte Projekt startet im Oktober und läuft zwei Jahre. Ziel ist es, die Integration von Wasserstoff in die lokale und regionale Energieplanung aus grenzüberschreitender Perspektive zu unterstützen und bewährte Lösungen für Behörden und weitere Akteure nutzbar zu machen.

An HyAdvanCE beteiligen sich Partner aus Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Slowenien und Polen. Die im Projekt entwickelten Ansätze sollen so zudem in die Weiterentwicklung nationaler und europäischer Strategien zur Wasserstoffnutzung einfließen.

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