Online Webinar PFAS ist überall

13.10.2026 – Bayern

PFAS ist überall. PFAS-Belastung in Bayern, Deutschland und der EU. Die blinden Flecken europäischer Chemikalienpolitik: Online-Diskussion zur Umsetzung der Chemikalienregeln in Bayern, Deutschland und der EU
 
 Laura Weber und Jutta Paulus sprechen am 23. Oktober über Gewässerüberwachung, Haftung und die geplante EU-weite PFAS-Beschränkung
 
Seit dem 12. Januar 2026 gelten in Deutschland erstmals verbindliche Grenzwerte für PFAS im Trinkwasser. Welche Fragen die Regeln offenlassen, diskutieren die bayerische Landtagsabgeordnete Laura Weber und die Europaabgeordnete Jutta Paulus (beide Bündnis 90/Die Grünen) am Freitag, 23. Oktober 2026, von 17 bis 18 Uhr in einer öffentlichen Online-Veranstaltung. Aus Sicht der Veranstalter betrifft das vor allem die Überwachung von Gewässern, Abbauprodukte der Chemikalien und die Frage, wer für Altlasten zahlt.
 
Die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung gelten für die Wasserversorger. Sie müssen die Summe von 20 PFAS unter 0,1 Mikrogramm pro Liter halten, ab 2028 gilt zusätzlich ein strengerer Wert für vier besonders kritische Verbindungen. Die Versorger prüfen selbst, die Gesundheitsämter kontrollieren die Ergebnisse. Private Brunnen und Oberflächengewässer werden dagegen nicht systematisch auf PFAS untersucht. 
 
Was das in der Praxis bedeutet, zeigte sich im Juni 2026 auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz. Nach erhöhten PFAS-Werten in fünf Gewässern wurde dort das Angeln verboten.  Die jüngsten Messdaten für die umliegenden Flüsse stammen nach Angaben von Laura Weber aus dem Jahr 2024.
 
Offen ist auch der Umgang mit Abbauprodukten. Trifluoressigsäure (TFA), ein sehr kurzkettiges Zerfallsprodukt von PFAS, wird europaweit zunehmend im Trinkwasser nachgewiesen. Abschließende Bewertungskriterien für solche Abbauprodukte haben weder die EU noch die Weltgesundheitsorganisation festgelegt. 
 
Ungeklärt ist schließlich, wer mögliche Schäden an der Umwelt zahlt und für mögliche körperliche Schäden beim Menschen aufkommt. Die überarbeitete EU-Kommunalabwasserrichtlinie verpflichtet Klärwerke, PFAS im Zu- und Ablauf zu überwachen. Ob Hersteller über eine erweiterte Herstellerverantwortung an den Kosten beteiligt werden, prüft die Kommission bislang nur. Bei historischen Belastungen lässt sich ein Verursacher oft nicht mehr feststellen. Die Folgen der PFOA-Belastung im bayerischen Gendorf fing der Freistaat mit öffentlichen Fördermitteln auf. Eine Studie im Auftrag der EU-Kommission schätzt die Kosten einer PFAS-Sanierung in Europa bis 2050 auf 330 Milliarden bis 1,7 Billionen Euro.
 
Auf EU-Ebene wird derzeit eine Beschränkung verhandelt, die mehr als 10.000 PFAS-Verbindungen gemeinsam erfassen soll. Die Europäische Chemikalienagentur schließt ihre Bewertung voraussichtlich bis Ende 2026 ab. Danach legt die Kommission einen Vorschlag vor, über den die Mitgliedstaaten abstimmen. Umstritten sind Ausnahmen für sogenannte kritische Anwendungen, etwa in Gesundheit, Verteidigung und Halbleiterproduktion. Jutta Paulus sieht darin einen Rückschritt gegenüber der EU-Chemikalienstrategie von 2020. 
 
Laura Weber, MdL: “PFAS ist überall und sehr schädlich! Deswegen brauchen wir mehr Forschung, eine systematische Erfassung, Vorbeugung, Sanierung und maximale Transparenz.”
 
Jutta Paulus, MdEP: „Ewigkeitschemikalien sind kein abstraktes Umweltproblem. Sie werden in Lebensmitteln, Trinkwasser, Böden und Flüssen nachgewiesen und wir alle haben sie im Blut. Manche erzeugen Krebs, andere machen unfruchtbar. Es ist höchste Zeit, ihre Verwendung umfassend zu verbieten.“
 
Die Online-Diskussion trägt den Titel „PFAS ist überall. PFAS-Belastung in Bayern, Deutschland und der EU. Die blinden Flecken europäischer Chemikalienpolitik “. Teilnehmende können eigene Fragen stellen.
 
Moderiert wird die Online-Diskussion von Fabian Puckschamel. Er ist Alumnus des Europakollegs in Brügge und Ansprechpartner für EU-Angelegenheiten des Grünen-Kreisverbands Weiden in der Oberpfalz.
 
Termin: Freitag, 23. Oktober 2026, 17 bis 18 Uhr
Ort:  Zoom, Online 
Anmeldung: cm.gruene-fraktion-bayern.de/pfasistuberall

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