Heimische Wirtschaft blickt wieder zuversichtlicher aufs Geschäft
15.10.2026 – Regensburg
Talsohle durchschritten
Heimische Wirtschaft blickt wieder zuversichtlicher aufs Geschäft. Die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage meldet positive Signale für die Region. Um den Trend zu festigen, ist nun die Politik am Zug.
Die rote Welle bei der Konjunkturampel in Ostbayern scheint überwunden. „Nach langer Durststrecke liegen Industrie und Handel in der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim wieder vorsichtig im Aufwind“, zeigt sich IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes mit Blick auf den Konjunkturbericht Herbst 2026 erleichtert. Damit war noch zur Jahresmitte nicht zu rechnen, lagen da die Erwartungen der Unternehmen für ihre Geschäfte doch noch durchweg im negativen Bereich.
Was ist passiert? „Unsere Industrie wächst langsam wieder, vor allem dank der besseren Weltkonjunktur“, liest Helmes aus den Zahlen. Das erkläre auch, warum vor allem die größeren international tätigen Betriebe in der Region jetzt besser dastehen. „Der deutsche Inlandsmarkt kämpft insgesamt noch immer mit den fehlenden politischen Rahmenbedingungen, mit zu viel Bürokratie, hohen Energiepreisen und mangelnder Flexibilität“, stellt Helmes fest.
Für breites Wachstum fordern die Konjunkturexperten der IHK von der Bundespolitik strukturelle Reformen und Anreize für Privatinvestitionen sowie die Nutzung arbeitsmarktpolitischer Instrumente. „Für die regionale Wirtschaft ist es etwa wichtig, Minijobs in ihrer aktuellen Ausgestaltung beizubehalten“, sagt Konjunkturexpertin Sibylle Aumer, und weiter: „Sechs von zehn Unternehmen sprechen sich für eine Stabilisierung der Sozialversicherungsbeiträge aus.“ Weitere praxisnahe Ansatzpunkte sind aus Sicht der Unternehmen eine Lockerung der Arbeitszeitvorgaben, ein flexiblerer Kündigungsschutz sowie stärkere Arbeitsanreize.
Wirtschaftslage unterschiedlich
Mit Ausnahme der Bauwirtschaft bewerten die Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim ihre Geschäftslage besser als im Frühjahr. 30 Prozent der Befragten berichten von einem höheren Auftragsvolumen aus dem Inland. 35 Prozent melden eine volle Kapazitätsauslastung - der höchste Wert seit Anfang 2025. Gleichzeitig waren im Herbst bei einem Viertel der Befragten Maschinen, Mitarbeitende und Räumlichkeiten nicht ausreichend ausgelastet.
Am deutlichsten hat sich die Lage gegenüber dem Frühjahr im Handel und bei größeren Industrieunternehmen verbessert. Im Hotel-, Gaststätten- und Reisegewerbe fiel der saisonale Effekt über den Sommer ähnlich positiv aus wie im Vorjahr. Bau und Dienstleistungen verzeichneten eine Seitwärtsbewegung.
Die Unternehmen stehen jedoch weiterhin vor erheblichen Herausforderungen. Kurzfristige Kostensteigerungen, etwa bei Kraftstoff und Personal, lassen sich nicht immer durch Preisanpassungen ausgleichen und belasten dadurch die Margen. In Beschaffung und Logistik führten das Niedrigwasser im Schiffsverkehr sowie die Sperrung internationaler Seewege über den Sommer zu zusätzlichem Aufwand und höheren Transportkosten.
Außenwirtschaft bessert sich
Der Außenhandel trägt spürbar zur verbesserten Lage in der Industrie bei. 27 Prozent der befragten Industrieunternehmen verzeichnen ein höheres Export-Auftragsvolumen. Deutlich zulegen konnten die Absatzmärkte in der Eurozone, dem sonstigen EU-Raum und in China.
Eine grundlegende Beruhigung der Märkte ist jedoch nicht in Sicht: Die geopolitische Instabilität hält an. Nach Angaben von 41 Prozent der Unternehmen führt dies zu verhaltenem Wachstum in einem weiterhin herausfordernden Marktumfeld.
Trotz der gestiegenen Inlandsnachfrage zwingt die weiterhin prognostizierte Nachfrageschwäche in Deutschland insbesondere die Investitionsgüterindustrie dazu, sich auf den Export zu konzentrieren.
Wenig Belebung auf dem Arbeitsmarkt
Die übliche Herbstbelebung am regionalen Arbeitsmarkt fällt schwach aus. Anders als die im September gesunkene Arbeitslosenquote bleiben die Beschäftigtenpläne der Befragten verhalten, der Abwärtstrend ist jedoch mit Ausnahme der Industrie gestoppt. Von den 19 Prozent aller Unternehmen, die mit einer sinkenden Beschäftigtenzahl rechnen, begründen 73 Prozent dies mit geplantem Stellenabbau. 27 Prozent davon können offene Stellen aufgrund des Arbeitskräftemangels nicht nachbesetzen.
Moderater Ausblick
Für die nächsten Monate erwarten nur Industrie und Handel ein moderates Wachstum. Die Impulse dürften überwiegend vom EU-Binnenmarkt kommen. Die Erholung könnte je nach Branche unterschiedlich ausfallen: Bau und Tourismus erwarten saisonbedingt Rückgänge, während sich die Dienstleister überraschend pessimistisch zeigen. Insgesamt lässt sich ein Aufschwung noch nicht ableiten.
Bei den wirtschaftlichen Risiken für die kommenden Monate verzeichnen die Energie- und Rohstoffpreise sowie das Thema Finanzierung einen starken Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Dauerthema ist und bleibt die hohe bürokratische Belastung der Wirtschaft. Die politisch angekündigten Gegenmaßnahmen erreichen die Schreibtische der Unternehmen nicht. Mit 65 Prozent der Nennungen stehen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen erneut an der Spitze der Geschäftsrisiken.
„Die Wirtschaft appelliert an die Bundespolitik, trotz der Wahlergebnisse im Osten und Norden am eingeschlagenen Reformkurs festzuhalten und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu stärken“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes. Viele Wachstumseffekte im Inland beruhen derzeit auf schuldenfinanzierten Sondereffekten bei Infrastruktur und Verteidigung. Langfristig muss das Wachstum wieder aus der Stärke der heimischen Wirtschaft kommen. Dafür fehlen aktuell jedoch ein tragfähiges Fundament bzw. die Rahmenbedingungen. „Kosten senken, Bürokratie abbauen, Verfahren beschleunigen, Infrastruktur modernisieren, und das drei Gänge schneller als bisher“, bringt Helmes den aktuellen Appell der IHKs an die Bundespolitik auf den Punkt.
Die detaillierten Ergebnisse der IHK-Umfrage - auch aus den einzelnen Branchen und mit Einschätzungen zu benötigten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen finden Sie unter www.ihk.de/regensburg/konjunkturbericht
Kurz und kompakt
• Schulabgänger/Azubis gesucht: 48 Prozent der Betriebe können offene Stellen nicht besetzen
• Liquiditätsstatus insgesamt leicht verschlechtert; existenzbedrohende Werte bei 10 Prozent der Baubranche
• Negativer Ausschlag bei Lieferkettenstörungen aus Frühjahr wieder etwas entschärft. 24 Prozent spüren internationale Auswirkungen
• Leichte Entspannung bei Preisen von Primärrohstoffen, Anteil der von Preissteigerungen betroffenen Firmen sinkt von 31 auf 26 Prozent
• Risikofaktor Finanzierung steigt gegenüber Vorjahr um 12 Prozentpunkte
Unternehmensstimmen
Manfred Sax, Geschäftsführer Sax GmbH, Schwandorf: „Wenn sich die Konjunktur eintrübt, behalten die Menschen ihr Auto oft ein oder zwei Jahre länger“, sagt Geschäftsführer Manfred Sax von der Schwandorfer Sax GmbH, einem Großhändler für Autoteile und -Zubehör. Davon profitiere der Ersatzteilhandel, denn Deutschlands Fahrzeugbestand werde immer älter. Verbrauchsartikel wie Öle, Schmierstoffe oder Scheibenwischer würden unabhängig von der Wirtschaftslage benötigt.
Herausforderungen sieht Sax vor allem durch die Elektromobilität: „Ein E-Auto braucht nur einen Bruchteil der Teile eines Verbrenners.“ Aber auch da sieht er einen stabilen Ersatzteilmarkt am Horizont wachsen. Gleichzeitig betont er die Bedeutung freier Werkstätten und des freien Ersatzteilmarkts und lobt die Verbrauchermarkt-Politik der EU: „Der Verbraucher hat die Wahl und profitiert von deutlich günstigeren Reparaturkosten.“
Dietmar Wohlfart, Geschäftsführer HÖR Technologie GmbH, Weiden: Die HÖR Technologie GmbH – ein rund 300 Mitarbeiter starker Produzent von Verzahnungsbauteilen und Getrieben aus Weiden – sieht sich trotz der schwachen Industriekonjunktur in einer stabilen Position. „Wir haben volle Auftragsbücher“, sagt Geschäftsführer Dietmar Wohlfart, insbesondere dank seiner Kunden aus den Bereichen Motorsport, Energieinfrastruktur und Drohnentechnik. Bei HÖR Technologie hat man sich dank Fokussierung auf Premiumsegmente konjunkturunabhängig aufgestellt. Zum Beispiel beziehen ganze sechs Formel-Eins-Teams ihre Getriebeteile bei den Nordoberpfälzer Spezialisten.
Belastend wirken für Wohlfart vor allem hohe Energiekosten: „Wir haben die höchsten Strompreise weltweit“, kritisiert der Unternehmer und fordert von der Politik „direkte Kostenentlastungen bei den Marktpreisen“. Zudem erschwerten lange Beschaffungszeiten für Spezialmaterialien sowie eine restriktive Kreditvergabe der Banken Investitionen und Wachstum. HÖR erwartet gerade von den regionalen Banken wieder eine stärkere Finanzierungsbereitschaft für den heimischen Mittelstand.