Handwerk in Ostbayern wartet weiter auf den Aufschwung

22.10.2026 – Ostbayern

Konjunkturbericht der Handwerkskammer zum dritten Quartal 2026 – Erhoffte Trendwende bleibt aus

Ernüchterung im ostbayerischen Handwerk: Statt der erhofften Trendwende weist der aktuelle Konjunkturbericht der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz eine weitere Verschlechterung der konjunkturellen Lage aus. Der Geschäftsklima-Index sank im dritten Quartal 2026 um zwei Prozentpunkte auf einen Wert von minus eins und damit wieder in den negativen Bereich. Der Vorquartalswert hatte noch bei eins, der Vorjahreswert bei drei Prozentpunkten gelegen. Handwerkskammerpräsident Dr. Georg Haber sieht die erneute Eintrübung mit Sorge: „Die Gesamtsituation im ostbayerischen Handwerk hat sich wieder verschlechtert. Damit können die ostbayerischen Handwerker bislang kaum von der zuletzt vermeldeten gesamtwirtschaftlichen Belebung profitieren. Angesichts der anhaltend schwachen Nachfrage, der verhaltenen Umsatzentwicklung und des Kostendrucks ist für die kommenden Wintermonate auch keine rasche Erholung in Sicht.“

HWK-Präsident für wirksame Entlastungen

Für eine nachhaltige Erholung brauche es wirksame Wachstumsimpulse und spürbare Entlastungen für die Betriebe, so Haber weiter. Der Kostendruck sei enorm. Die bisherigen Reformen hält der HWK-Präsident für „nicht ausreichend“. Haber wörtlich: „Das lohnintensive und auf Mobilität angewiesene Handwerk benötigt insbesondere bei den zentralen Bereichen Steuern und Abgaben, Lohnzusatzkosten, Bürokratie sowie Energie- und Mobilitätskosten gezielte und dauerhafte Entlastungen.“

Jeder dritte Betrieb im ostbayerischen Handwerk (30 Prozent) verbuchte Auftragsrückgänge. Laut Konjunkturbericht spiegelt sich die Kundenzurückhaltung auch in der Gesamtnachfrage wider. Die durchschnittliche Auftragsreichweite für das Gesamthandwerk sank um eine Woche auf 9,4 Wochen. Positiv: Trotz nachlassender Nachfrage waren die Betriebe im dritten Quartal weiterhin konstant ausgelastet. Ein Großteil der Betriebe meldete eine hohe (52 Prozent der Betriebe) beziehungsweise mittlere Auslastung (38 Prozent).

Investitionsbereitschaft und Umsätze im Sinkflug

Bei den Verkaufspreisen hielten zuletzt 70 Prozent der Betriebe ihre Preise stabil – trotz negativer Umsatzentwicklung. Dort verbuchte rund jeder vierte Betrieb (26 Prozent) erneut Rückgänge. Damit blieb der Umsatzsaldo bereits im fünften Quartal in Folge negativ. Der Umsatzrückgang trifft besonders viele Betriebe im Kraftfahrzeuggewerbe und im Lebensmittelgewerbe (jeweils 35 Prozent). Ein Minus auch bei den Investitionen: Jeder dritte Betrieb investierte im dritten Quartal weniger. Vor allem im Ausbaugewerbe sowie in den Handwerken für den privaten Bedarf sank der Anteil investierender Betriebe deutlich. Weiterhin hoch war die Investitionsbereitschaft hingegen im Bauhauptgewerbe.

Angesichts der negativen Gesamtentwicklung bleiben die Erwartungen der Betriebsinhaber für die nächsten Monate verhalten: Rund ein Viertel der Betriebe rechnet mit einer rückläufigen Nachfrage und sinkenden Umsätzen. Zudem erwartet ein Großteil der Betriebe (68 Prozent) weiter steigende Einkaufspreise. Ihre Verkaufspreise erhöhen wollen dagegen nur 39 Prozent der Betriebe.

Beschäftigungssaldo im positiven Bereich

HWK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger verweist auf den einzigen markanten Positivtrend im aktuellen Konjunkturbericht: die Beschäftigungszahlen. 19 Prozent der Betriebe meldeten hier Zuwächse. „Das ist der höchste Anteil seit sieben Jahren. Damit war der Beschäftigungssaldo erstmals seit acht Quartalen wieder positiv. Auch bei der Gewinnung neuer Auszubildender zeigt sich ein positiver Trend, der trotz negativer Konjunkturzahlen Anlass zur Hoffnung gibt.“

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