Von Kolumbien nach Neumarkt: Fachkräfterekrutierungsprojekt „FIT for German Climate Businesses“ zeigt in der Praxis sichtbare Erfolge

02.09.2026 – Neumarkt

Seit diesem Sommer sind bei der DEHN INSTATEC GmbH, einem großen Elektroinstallationsbetrieb in Neumarkt, drei kolumbianische Fachkräfte beschäftigt. Die junge Kolumbianerin und die zwei jungen Kolumbianer sind als Elektroniker im Rahmen des Projekts „Future International Talents for German Climate Businesses“, kurz „FIT for German Climate Businesses“, nach Deutschland gekommen. Über das Pilotprojekt werden Fachkräfte aus Kolumbien und Usbekistan für deutsche Handwerksbetriebe in klimarelevanten Berufsgruppen gewonnen und bei ihrem Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt unterstützt. Das Pilotprojekt wird vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), der Bundesagentur für Arbeit und der Entwicklungsorganisation sequa durchgeführt und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Bei einem Betriebsbesuch überzeugten sich die Projektpartner vor Ort davon, wie die Integration der internationalen Fachkräfte in den Arbeitsalltag gelingt.
 
Aktivitäten stark ausgebaut

Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz ist als eine von bundesweit neun Handwerksorganisationen an dem FIT for German Climate Businesses-Projekt beteiligt. Als lokaler Projektpartner ist sie nicht nur für die Vermittlung der Fachkräfte an die Betriebe verantwortlich, sondern begleitet auch die Einreise einschließlich Visaverfahren, die Anerkennung der ausländischen Berufsqualifikationen und die Integration in den ersten Wochen in Deutschland. „Wir haben unsere Aktivitäten in diesem Bereich in den vergangenen Jahren sehr stark ausgebaut“, berichtet Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Denn von dem großen Potenzial der Fachkräftegewinnung aus Drittstaaten sei man überzeugt. Deshalb habe man sich als Handwerkskammer schon frühzeitig für ein praktikables und umsetzbares Fachkräfteeinwanderungsgesetz stark gemacht. „Um die wirtschaftliche Stabilität in Ostbayern langfristig zu sichern, ist das Handwerk, neben der Nutzung inländischer Potenziale, auch auf Fachkräfte und Auszubildende aus dem Ausland angewiesen. Dabei ist uns sehr wichtig, dass die Menschen, die hierherkommen, gut integriert und betreut werden und sich wohlfühlen. Dafür möchten wir gerne unseren Teil leisten“, fügte HWK-Vizepräsident Gerhard Ulm hinzu.
 
„Integration gelingt, wenn alle mitziehen“

Insgesamt 13 Fachkräfte, 12 Kolumbianer und ein Usbeke, sind über das Projekt in ostbayerische Handwerksbetriebe gekommen. Alle haben bereits eine Berufsausbildung absolviert. Sie verfügen über gute Deutschkenntnisse und über mindestens zwei Jahre Berufserfahrung in ihrem jeweiligen Gewerk. Christian Hamann, Geschäftsführer von DEHN INSTATEC, hat gleich drei von ihnen angestellt. „Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften ist auch in unserer Branche deutlich spürbar“, so Hamann. Mit dem Projekt habe man motivierte Menschen für das Unternehmen gewinnen können. „Von der Auswahl der Kandidaten über die Einreise bis zur Anerkennung der Berufsqualifikationen wurden wir dabei professionell begleitet“, berichtet der Geschäftsführer. Entscheidend sei jedoch, wie die Integration im Betrieb und im Alltag funktioniere. „Unsere Kolleginnen und Kollegen unterstützen die neuen Mitarbeitenden von Anfang an. Diese Erfahrung bestätigt: Integration gelingt am besten, wenn alle mitziehen.“

Für den 25-jährigen Martin Fernando Piraban Alvarez, der seit Juni 2026 in Neumarkt ist, hat der Einstieg jedenfalls funktioniert: „Von Anfang an habe ich mich bei DEHN INSTATEC willkommen gefühlt. Meine Kolleginnen und Kollegen unterstützen mich nicht nur bei der Arbeit, sondern auch im Alltag. Dadurch konnte ich mich schnell einleben. Heute spiele ich in einem örtlichen Fußballverein und habe bereits viele neue Kontakte geknüpft. Ich freue mich darauf, meinen Weg hier weiterzugehen.“
 
Unterstützung der Betriebe entscheidend

Wie wichtig es ist, die Betriebe bei der Integration internationaler Fachkräfte zu unterstützen, betont Jan Dannenbring, Leiter des Bereichs Arbeitsmarkt vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). „Das FIT for German Climate Businesses-Projekt zeigt erneut, wie zupackend, hilfsbereit und pragmatisch sich die teilnehmenden Handwerksbetriebe bei der Integration von Fachkräften einbringen, um ein Ankommen und Bleiben in Deutschland und im Betriebsalltag zu ermöglichen. Aber gerade die kleinen Betriebe des Handwerks brauchen dauerhafte Unterstützungsstrukturen vor Ort, um den erhöhten Aufwand für die Integration von Fachkräften aus Drittstaaten stemmen zu können“, betont Dannenbring und ist überzeugt: „Wenn Politik, Handwerk und Fachkräfte an einem Strang ziehen, wird sich erweisen: Die Zuwanderung qualifizierter ausländischer Fachkräfte ist ein Gewinn für alle!“

Blicken gemeinsam auf einen erfolgreichen Projektstart bei der DEHN INSTATEC GmbH (v.li.n.re.): HWK-Vizepräsident Gerhard Ulm, stv. HWK-Hauptgeschäftsführer Hans Schmidt, die drei kolumbianischen Fachkräfte Martin Fernando Piraban Alvarez, Ana Maria Hurtado Nopan und Ricardo Antonino Torres Ospina, DEHN INSTATEC-Geschäftsführer Christian Hamann und Jan Dannenbring, Leiter des Bereichs Arbeitsmarkt vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH).

Martin Fernando Piraban Alvarez (re.), hier mit Fachbauleiter Bernhard Wölk, ist schon seit Juni 2026 in Neumarkt und im Betrieb bereits gut integriert.
 
Fotos: Fotostudio Weidinger

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