Staatssekretär Gotthardt zu Gast bei Jurenergie
20.09.2026 – Neumarkt
Energiewende braucht Investitionssicherheit und bestehende Ausbaupotentiale müssen konsequent genutzt werden
Die Bürgerenergiegenossenschaft Jurenergie eG begrüßte den Staatssekretär Tobias Gotthardt (StMWi) zu einem energiepolitischen Fachgespräch in Neumarkt. Im Mittelpunkt standen die geplante EEG-Novelle, das Netzanschlusspaket sowie die Frage, wie der Ausbau der Windenergie in Bayern erfolgreich und wirtschaftlich umgesetzt werden kann.
Aus Sicht der Jurenergie hat Bayern beim Ausbau der Windenergie in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte erzielt. Vorranggebiete wurden ausgewiesen, Planungsprozesse vorangebracht und vielerorts Akzeptanz geschaffen. Jetzt müsse sichergestellt werden, dass aus diesen Voraussetzungen auch tatsächlich neue Projekte entstehen.
Mit Sorge blickt die Jurenergie daher auf einzelne Regelungen der derzeit diskutierten Gesetzesvorhaben auf Bundesebene. Zusätzliche Abregelungsrisiken, Wirkleistungsbegrenzungen, kapazitätslimitierte Gebiete sowie neue Nachweis- und Dokumentationspflichten könnten die Wirtschaftlichkeit vieler Projekte verschlechtern und dringend benötigte Investitionen erschweren. Gerade Bürgerenergiegesellschaften und mittelständische Projektträger seien auf verlässliche und langfristig kalkulierbare Rahmenbedingungen angewiesen.
„Der Ausbau der erneuerbaren Energien gelingt nur mit Projekten, die sich auch finanzieren und realisieren lassen“, erklärt Michael Vogel, Vorstand der Jurenergie eG. „Wenn genehmigte Vorhaben durch zusätzliche regulatorische Risiken an Wirtschaftlichkeit verlieren, wird der Ausbau gebremst. Das kann weder im Interesse der Energiewende noch der Verbraucher und Unternehmen sein.“
Aus Sicht von Jurenergie werden die geplanten Novellen von EEG und Netzpaket zu mehr Bürokratie und Nachweispflichten führen, auf lange Sicht die Energiepreise für Unternehmen und Verbraucher steigen lassen und damit Arbeitsplätze in der Branche und der Region gefährden.
Die Jurenergie setzt deshalb auf einen gezielten Ausbau der Windenergie in Bayern. Dazu gehören aus ihrer Sicht eine wirksame Berücksichtigung süddeutscher Standorte im Ausschreibungssystem, schlankere Genehmigungsverfahren, verlässliche Investitionsbedingungen sowie ein beschleunigter Ausbau von Speichern und Netzen. Herausforderungen des Stromsystems sollten vor allem durch technische Innovationen, Digitalisierung, Speicher und marktbasierte Lösungen bewältigt werden, anstatt zusätzliche Risiken auf neue Erzeugungsanlagen zu verlagern und den Netzausbau zu bremsen.
Auch das Thema Energy Sharing spielte eine wichtige Rolle. Die Jurenergie sieht hier große Chancen, Bürger, Kommunen und regionale Unternehmen stärker an der Energiewende zu beteiligen. Voraussetzung seien jedoch praktikable und unbürokratische Regelungen, die in der Praxis tatsächlich umgesetzt werden können. Staatssekretär Tobias Gotthardt unterstrich die Bedeutung zusätzlicher Windenergie für Bayern und sprach sich dafür aus, die bestehenden Ausbaupotenziale konsequent zu nutzen. Beide Seiten vereinbarten, den fachlichen Austausch fortzusetzen und die Erfahrungen aus der Praxis in die weiteren politischen Beratungen einzubringen.
Zum Abschluss zog Michael Vogel ein positives Fazit des Gesprächs: „Die Bürgerenergie steht bereit, Verantwortung zu übernehmen und in die Energiewende zu investieren. Dafür brauchen wir keine neuen Förderprogramme, sondern Planungssicherheit, Investitionssicherheit und praxistaugliche Regeln. Wenn Politik, Kommunen und Projektträger gemeinsam an Lösungen arbeiten, können Windenergie, Photovoltaik, Speicher und Energy Sharing einen entscheidenden Beitrag für eine sichere, bezahlbare und regionale Energieversorgung leisten.

Tobias Gotthardt (Mitte) mit Vertretern der Jurenergie eG (Wolfgang Fruhmann, Agnes Gruber, Michael Vogel, Roland Hadwiger) - Foto: Stephen Siering, StMWi