Neumarkt im Hitzetest

04.09.2026 – Neumarkt

Wie heiß wird es eigentlich in der Neumarkter Innenstadt? Ein kleines Messprojekt zeigt überraschend deutliche Unterschiede – und macht sichtbar, wo Handlungsbedarf besteht.

Dieser Sommer hat mit seinen heißen Tagen erneut deutlich gemacht: Die Hitze ist längst auch in unseren Städten angekommen. An einem sonnigen Augusttag wurden bei rund 31 °C Außentemperatur gegen 13 Uhr verschiedene Oberflächen in der Neumarkter Innenstadt gemessen. Das Ergebnis: Zwischen einzelnen Messpunkten lagen Temperaturunterschiede von rund 30 Grad.

Durchgeführt und konzipiert wurde das Projekt von drei Mitgliedern der Ortsgruppe Neumarkt des Bund Naturschutz, die damit die Auswirkungen sommerlicher Hitze im direkten Lebensumfeld sichtbar und nachvollziehbar machen wollten. Als Messgerät diente eine Infrarot-Wärmebildkamera vom Typ Flir E30.

Besonders deutlich wird der Unterschied zwischen Sonnenbeschienenen und schattigen Flächen. Eine sonnige Steinfläche erreichte bis zu 58 Grad, während eine begrünte und beschattete Fläche bei etwa 28 Grad lag. Auch der Vergleich zweier nahe beieinanderliegender Steinflächen war aufschlussreich: Dort, wo ein Sonnensegel die direkte Sonneneinstrahlung abhielt, war die Oberfläche deutlich kühler.

Die Messungen zeigen damit vor allem eines: Schatten macht einen großen Unterschied. Begrünung kann zusätzlich durch Verdunstung zur Kühlung beitragen. Gleichzeitig reicht „Grün“ allein nicht immer aus: Ein sonniger Rasen oder eine kleine Baumscheibe ohne schützende Baumkrone kann sich ebenfalls stark aufheizen.

Neumarkt hat bereits wichtige Schritte unternommen. Das Sonnensegel am Brunnen vor dem Rathaus ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch vergleichsweise einfache Maßnahmen eine messbare Wirkung haben können. Weitere Möglichkeiten reichen von Markisen und schattigen Sitzplätzen über klimaangepasste Bepflanzung und Gießränder bis hin zu Entsiegelung und mehr Bäumen mit ausreichend Raum für ihre Entwicklung. Auch Wasserspender oder Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung, etwa Baumpatenschaften, könnten einen Beitrag leisten.

Der Bund Naturschutz hat im Frühjahr mit seiner Ausstellung zum Thema Stadtbäume „Wir Bäume sind eure besten Freunde“ im Neuen Markt schon vor der Hitzewelle den Schattenspender Baum in den Mittelpunkt gerückt. OB Markus Ochsenkühn sprach bei der Eröffnung von 20 000 Bäumen, um die sich die Stadt Neumarkt kümmert. Die Baumausstellung wurde in allen weiterführenden Schulen Neumarkts gezeigt und war bei den Schülerinnen und Schülern ein großer Erfolg.

Denn es geht um mehr als Temperaturwerte: Die Innenstadt soll auch an heißen Sommertagen ein Ort bleiben, an dem Menschen gerne einkaufen, sich treffen, einen Kaffee trinken oder einfach Zeit verbringen. Dafür braucht es Anpassungen an die Realität des Klimawandels – Schritt für Schritt und mit Blick auf die konkreten Bedürfnisse vor Ort.

Die Ergebnisse des Projekts mit vielen spannenden Einblicken können jetzt auch interaktiv entdeckt werden. Es wurde ein digitales Modul erstellt mit Messpunkten, Bildern und Hintergrundinformationen. Dort lässt sich selbst erkunden, wo Neumarkt heiß wird – und was gegen die Hitze helfen kann. QR-Code bzw. Link sind auf der Homepage der Ortsgruppe hinterlegt: https://neumarkt.bund-naturschutz.de/ortsgruppen/neumarkt.

Die BN-Ortsgruppe Neumarkt hat sich in den vergangenen Jahren bereits intensiv mit der Klima- und Wärmeproblematik befasst und konstruktiv bei den verschiedenen Foren der Stadt Neumarkt mitgearbeitet. Über weitere aktive Mitbürger würde sich der BN freuen.

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