ADFC fordert Schulstraßen und gibt Tipps für den sicheren Schulweg

14.09.2026 – Neumarkt

Mit dem neuen Schuljahr stellt sich für viele Familien erneut die Frage, wie der Weg zur Schule sicher gelingt. Der ADFC Neumarkt gibt praktische Tipps für das gemeinsame Einüben des Schulwegs – und fordert gleichzeitig Schulstraßen, Tempo 30 und sichere Schulwegepläne, damit Kinder diesen Weg auch selbstständig meistern können.

Das Fahrrad ist für viele Kinder das ideale Verkehrsmittel auf dem Schulweg: Es macht Spaß, bringt Bewegung in den Schultagstart und stärkt die Selbstständigkeit. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Kinder, die sich eigenständig im Straßenverkehr bewegen, sich besser orientieren können, mehr soziale Kontakte pflegen und insgesamt aktiver sind. Doch bundesweite Zahlen zeigen auch: Viele Schulwege sind für Kinder noch nicht sicher genug. 2024 verunglückten deutschlandweit 27.260 Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr, mehr als ein Drittel davon auf dem Fahrrad. Besonders häufig passiert das werktags zwischen 7 und 8 Uhr sowie zwischen 15 und 17 Uhr – also genau zu den typischen Schulwegzeiten. Eine bundesweite Kinderbefragung ergab zudem, dass ein Großteil der Kinder Angst vor großen Fahrzeugen wie Lkw und Bussen hat und befürchtet, von einem Auto erfasst zu werden.

Gemeinsam den Schulweg üben

Damit Kinder diesen ersten selbstständigen Weg im Straßenverkehr sicher meistern, empfiehlt der ADFC Neumarkt, den Schulweg gezielt gemeinsam einzuüben. Auch für ältere Kinder ist der Schulstart dafür ein guter Anlass:

Route gemeinsam festlegen: Nicht der kürzeste, sondern der sicherste Weg zählt – mit Blick auf Ampeln, Verkehrsaufkommen, übersichtliche Kreuzungen und Tempo-30-Abschnitte.

Mehrfach unter realen Bedingungen üben: Hin- und Rückweg zu den tatsächlichen Schulwegzeiten abfahren, nicht am ruhigen Sonntag. Dabei neben dem Kind fahren, Gefahrenstellen erklären und geduldig bleiben.

Gefahrenstellen erkennen: Ein- und Ausfahrten, an denen Kinder leicht übersehen werden, sowie unübersichtliche Kreuzungen gemeinsam beobachten, etwa ob parkende Autos oder Stromkästen die Sicht versperren. Eltern sollten die Situation aus dem Blickwinkel ihrer Kinder betrachten.

Verantwortung schrittweise übergeben: Wenn es gut läuft, das Kind vorausfahren lassen und selbst nur noch eingreifen, wenn nötig.

Den richtigen Zeitpunkt gemeinsam bestimmen: Erst wenn Kind und Eltern das sichere Gefühl haben, ist der Schulweg allein zu bewältigen – ohne Druck.

Rechtlich gilt: Kinder unter acht Jahren müssen auf dem Gehweg fahren, zwischen acht und neun Jahren dürfen sie es, ab zehn Jahren gelten die regulären Regeln für Radfahrende.

Schulstraßen als zentrale Forderung des ADFC

Eltern können den Schulweg mit ihren Kindern üben, sicher gestalten können sie ihn allein nicht. Der ADFC Bayern hat deshalb auf seiner diesjährigen Landesversammlung einen Leitantrag zu Schulstraßen beschlossen. Ziel ist ein bayernweiter Leitfaden, der Kommunen die Einrichtung erleichtert: Dabei wird die Straße im unmittelbaren Umfeld einer Schule zumindest zu Unterrichtsbeginn für den Kfz-Verkehr gesperrt, wie es unter anderem in Paris, Wien und mittlerweile auch in Hamburg bereits praktiziert wird. So sinkt der Verkehrsdruck direkt vor der Schule, Kinder gewinnen Platz, um sicher zu Fuß oder mit dem Rad anzukommen, und gefährliche Situationen durch sogenannte Elterntaxis werden reduziert. Darüber hinaus fordert der ADFC Neumarkt Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts, eine kindgerechte Radverkehrsinfrastruktur sowie flächendeckende Schulwegepläne, die gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern erstellte, sichere Radrouten einbeziehen.

Fahrradklima in Neumarkt auf https://fkt.adfc.de/ bewerten

Zum ADFC-Fahrradklima-Test 2026 gehören drei Befragungen: Radfahrerinnen und Radfahrer bewerten die Fahrradfreundlichkeit ihres Ortes, Kinder und Jugendliche schildern im FKT Jugendliche ihre Erfahrungen und Bedürfnisse – und beim FKT-Kommunen geben Städte und Gemeinden Auskunft, wie sie den Radverkehr schon fördern. Damit wird die Fahrradfreundlichkeit vor Ort aus drei unterschiedlichen Perspektiven sichtbar. Die Ergebnisse werden im Frühjahr 2027 vorgestellt, dazu gehört auch das bundesweite Ranking der fahrradfreundlichsten Städte.

Olaf Böttcher, Vorsitzender des ADFC Neumarkt, erklärt: „Der Schulweg ist für viele Kinder der erste selbstständige Weg im Straßenverkehr. Eltern können mit ihren Kindern üben, wie man ihn sicher bewältigt. Die sicheren Bedingungen dafür müssen Kommunen und Politik schaffen – bis zum Schultor. Dort sind Schulstraßen die wirksamste Maßnahme für das sichere Ankommen der Kinder. Deshalb setzen wir uns bayernweit für ihre Einführung ein.“

Ergänzend möchten wir auf das Projekt „Sicher zur Schule“ von VCD Bayern und Bayerischem Elternverband hinweisen. Das Projekt unterstützt Familien und Schulen dabei, Kindern aktive und selbstständige Schulwege zu ermöglichen – zu Fuß, mit Roller oder Rad sowie mit Bus und Bahn. Angeboten werden ein eigenes Banner, ein Schulweg-Check und weiteres Material.

Hinweise an Redaktionen: Die Unfallzahlen finden Sie bei Destatis. Mehr zur Fahrradnutzung von Kindern gibt es in der Kinderbefragung des Fahrrad-Monitors 2025. In der Zwischenevaluation des Nationalen Radverkehrsplans 3.0 wird auch die Fahrradnutzung von Kindern und Jugendlichen untersucht. Der Verkehrsclub ACE erstellte einen Schulweg-Index 2025 und untersuchte dabei die Schulwegsicherheit. Mehr zum Thema „Mit dem Rad zur Schule“ hat der ADFC in einem Dossier und in einem Infoflyer zusammengestellt. Schulwegsicherheit ist für den ADFC eines der wichtigsten Themen, deswegen befragt der ADFC vom 1. September bis zum 30. November im Rahmen des ADFC-Fahrradklima-Tests erstmals Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren bundesweit zur Fahrradfreundlichkeit ihres Ortes.

Über den ADFC

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit über 240.000 Mitgliedern, davon mehr als 35.000 in Bayern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik und Tourismus. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs.

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