Rettung für die historischen Kapellen am Kalvarienberg
16.08.2026 – Neumarkt
Wer sich die Mühe macht, die 365 Stufen zur Maria-Hilf-Kirche in Neumarkt zu Fuß zu erklimmen, kommt unweigerlich an einem kleinen Plateau vorbei. Ein wenig verborgen im Wald, stehen dort zwei steinerne und fünf hölzerne Kapellen, die ein eindrucksvolles historisches Ensemble bilden. Vor allem die Holzkapellen aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert und die steinerne Marienkapelle sind schwer in die Jahre gekommen: der Druck des Hangs hat über die Jahrhunderte die Gebäude in Schieflage gebracht, die Bodenplatten sind verschoben, das Holz an vielen Stellen morsch, die Schindeln brüchig, die Farbe blättert.
Für die Kalvarienbergstiftung, sozusagen den Hausherrn, stellte sich letztes Jahr die alles entscheidende Frage, entweder komplett dem Verfall preisgeben oder zur Rettung antreten und eine Sanierung stemmen. Gemeinsam mit dem Planer Stefan Lerzer kalkulierten die Verantwortlichen der Stiftung, Helmut Jawurek und Alois Häring, die notwendigen Maßnahmen, es wird eine stattliche Investition von mehr als 400.000 Euro nötig sein. Über das europäische Förderprogramm LEADER gibt es einen Zuschuss von 174.000 Euro, in die Wege geleitet von der LAG REGINA- Neumarkt e.V.. Anlässlich der Übergabe des Förderbescheids trafen sich Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn, Helmut Jawurek und Alois Häring von der Kalvarienbergstiftung, Carola Rieger vom LAG-Management und Schwester Maria Resurrection von der Maria-Hilf-Kirche vor Ort, um sich den Ablauf der Arbeiten von Stefan Lerzer darlegen zu lassen.
Gerade das unwegsame Gelände stellt die Baumaßnahme vor große logistische Herausforderungen, das komplette Material und auch jeder Kubikmeter Beton müssen über einen schmalen Waldweg oder über die Stufen zur Baustelle transportiert werden. Derzeit werden die Holzkapellen schrittweise angehoben, um die Fundamente komplett zu erneuern, das morsche Holz wird ersetzt. Soweit noch historische Farbreste vorhanden sind, werden diese erhalten und aufgefrischt. Sämtliche Skulpturen und Ausstattungsgegenstände sind in der Zwischenzeit archiviert, um nach Abschluss der Arbeiten -frisch restauriert- wieder ihren angestammten Platz einzunehmen. Ausgestattet mit neuen Sitzgelegenheiten, dezenter Beleuchtung und einem Kräutergarten soll das Plateau künftig zu einem attraktiven Aufenthalts- und Begegnungsort werden, für Spaziergänger, Sportler, Touristen und Ruhesuchende. Spätestens Mitte 2027 wird aus dem traurigen Anblick sanierungsbedürftiger Kapellen, an denen man bisher achtlos vorbeigelaufen ist, wieder ein schmuckes Ensemble, das zum Besuchen, Innehalten und Verweilen einlädt, einzigartig in ihrer historischen und künstlerischen Bedeutung in Süddeutschland. Sozusagen Rettung auf den allerletzten Drücker!

Von links nach rechts: Alois Häring (Kirchenpfleger), Schwester Maria Resurrection (Maria- Hilf-Kirche), Helmut Jawurek (Kalvarienbergstiftung), Carola Rieger (LAG-Management), Markus Ochsenkühn (Oberbürgermeister), Stefan Lerzer (Planungsbüro Lerzer). Foto: REGINA GmbH