Ausbildungsmarkt bleibt ein Bewerbermarkt – Betriebe finden zu wenig Nachwuchs

31.08.2026 – Regensburg

Zum Start des Ausbildungsjahres 2026 zieht die IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim eine gemischte Bilanz. Für Jugendliche sind die Chancen auf einen Ausbildungsplatz weiterhin ausgezeichnet. Die Unternehmen der Region dagegen tun sich immer schwerer, ihre Plätze überhaupt zu besetzen.

Zum 31. August 2026 wurden im Kammerbezirk der IHK 3.740 neue Ausbildungsverträge eingetragen. Das sind 1,5 Prozent weniger als im Vorjahr (3.796 Verträge). Nach dem deutlicheren Minus im Jahr 2025 hat sich die Entwicklung damit spürbar stabilisiert – auf einem Niveau, das den Bedarf der Betriebe aber weiterhin nicht deckt.

Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt

Entscheidend ist dabei weniger die Gesamtzahl der Verträge als das Missverhältnis von Angebot und Nachfrage: In den drei Arbeitsagentur-Bezirken Regensburg, Weiden und Schwandorf waren zuletzt noch rund 4.636 Ausbildungsplätze unbesetzt – quer durch alle Branchen und Berufe. In der Regel bleiben am Ende nur wenige unversorgte Bewerberinnen und Bewerber übrig. „Der Ausbildungsmarkt ist längst ein Bewerbermarkt“, sagt Ralf Kohl, Bereichsleiter Berufliche Ausbildung bei der IHK. „Für junge Leute war es noch nie so einfach, den Wunschberuf zu ergreifen. Für die Unternehmen ist es so schwer wie nie, genügend Auszubildende zu finden.“ Ursache seien vor allem der demografische Wandel und der anhaltende Trend zu höheren Schulabschlüssen. Nach dem Ausfall des Abiturjahrgangs durch die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium wächst der Anteil der Studienberechtigten unter den Azubis in diesem Jahr wieder. Wie eng es geworden ist, zeigt auch eine aktuelle Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer: Von den Betrieben, die ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen konnten, berichten rund 70 Prozent, dass keine geeigneten Bewerbungen vorlagen. Einem Drittel lag überhaupt keine Bewerbung vor.

Ausbildungsjahrgang wird internationaler

Deutlich verändert hat sich die Zusammensetzung der Auszubildenden. Über alle Ausbildungsjahre hinweg haben aktuell 1.995 Azubis im Kammerbezirk eine ausländische Staatsbürgerschaft – rund 17,5 Prozent und damit fast doppelt so viele wie 2022 (1.074). „Ohne junge Menschen aus dem Ausland würde die Lücke noch größer ausfallen“, so Kohl. „Vielfalt ist kein Nebenaspekt mehr, sondern ein tragender Teil der Fachkräftesicherung.“

Zufriedenheit hoch – Belastung ebenfalls

Wie es den Auszubildenden in ihren Betrieben geht, hat die bayerische IHK-Organisation im Frühjahr 2026 erhoben. 3.654 volljährige Azubis aus allen bayerischen IHK-Bezirken haben geantwortet. Das Ergebnis fällt insgesamt positiv aus: Rund drei Viertel bewerten die Qualität ihrer Ausbildung als gut oder eher gut, ähnlich viele sind mit ihrer Ausbildung im Betrieb zufrieden. Zugleich zeigt die Befragung, wo es hakt. 33,1 Prozent der Auszubildenden berichten, sich am Ende eines Ausbildungstages häufig erschöpft zu fühlen. Der Anteil derjenigen, die sich überfordert fühlen, ist von acht Prozent im Jahr 2019 auf 14,6 Prozent gestiegen. Genannt werden vor allem der Wunsch nach mehr Betreuung, nach regelmäßigem Feedback und nach mehr Wertschätzung im Betrieb. „Der größte Hebel liegt oft im Gespräch“, sagt Kohl. „Wer regelmäßig mit seinen Azubis bespricht, wie es läuft, senkt das Abbruchrisiko erheblich – das kostet Zeit, aber kein Budget.“ Wie wichtig das ist, zeigt eine weitere Zahl: 29 Prozent der Befragten haben vor ihrer jetzigen Ausbildung bereits eine andere Ausbildung oder ein Studium begonnen.

Was die IHK für den Nachwuchs tut

Die IHK setzt bei der Berufsorientierung auf junge Vorbilder: Bei den AusbildungsScouts berichten Auszubildende in Schulklassen aus erster Hand von ihrem Berufsalltag. Ergänzt wird das durch die bundesweite Imagekampagne #KÖNNENLERNEN, das bayerische Angebot für Studienzweifler unter switch-zur-ausbildung.de sowie die Social-Media-Kanäle @ausbildungostbayern. Am 22. September findet in Regensburg ein Elternabend zum Thema Körpersprache im Vorstellungsgespräch statt, am 22. Oktober 2026 lädt die IHK zum Ausbildertag ein. Für Betriebe und Auszubildende sind darüber hinaus die Ausbildungsberaterinnen und -berater der IHK die erste Anlaufstelle – von der Eignung des Betriebs über Vertragsfragen und Verkürzungen bis hin zu Prüfungen und Fördermöglichkeiten.

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