Weniger Bürokratie, mehr Europa
27.07.2026 – Amberg
Bei der Vollversammlung der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim ging es in der Diskussion mit dem Chef der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Manfred Weber, um mehr Praxisnähe bei der EU-Politik.
„Überbordende Bürokratie hemmt Wachstum und bremst Innovationen aus. Wir wollen EU-Regularien und Verwaltungsabläufe vereinfachen und damit besser machen“, brachte es der Präsident der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim, Christian Volkmer, bei der Sommersitzung der IHK-Vollversammlung bei der Herding GmbH Filtertechnik in Amberg am 22. Juli 2026 auf den Punkt.
Die IHK-Vollversammlung wählte einen idealen Gastgeber, weil hier Herausforderungen aber auch Vorteile des Standorts Ostbayern gegenüber dem internationalen Wettbewerb anschaulich werden. Der 1977 von Walter Herding gegründete Hersteller spezieller und langlebiger Luftreinigung-Filter für industrielle Anlagen und Sondermaschinenbauer komplexer Absauganlagen beschäftigt am Standort Amberg 400 Mitarbeitende und behauptet sich weltweit mit mehreren Werken. Urs Herding führt den Mittelständler in zweiter Generation, die dritte Generation ist bereits fest integriert. Trotz internationaler Ausrichtung setzt das Familienunternehmen mit der Filterproduktion und dem Anlagenbau weiterhin auf den Standort Amberg. Hier bündelt es seine Kernkompetenzen und sein Knowhow für Produkt- und Prozessinnovationen.
Wie die Politik in München, Berlin und vor allem Brüssel besser verstehen kann, was innovative Unternehmen wie Herding brauchen, um zukunftsfähig zu bleiben und weiterhin Arbeitsplätze im Land zu halten, war Kern der von IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes moderierten Diskussion mit dem Chef der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament Manfred Weber. Zentral dabei immer wieder, so Helmes: „Die heimischen Unternehmen fragen, wann sie endlich Vereinfachung bei der Bürokratie spüren.“
Wirtschaftsrealität nach Brüssel tragen
Wenn Spediteurin Katharina Weber aus Weiherhammer in der nördlichen Oberpfalz heute einen emissionsfreien E-Lkw auf Tour schickt, ist das für sie weniger wirtschaftlich, als wenn es ein Diesel-Lkw wäre. 40 Tonnen Gesamtgewicht sind aktuell nach nationalem Recht beim Verbrenner, 42 Tonnen beim Elektro-Laster zulässig. Die zwei zusätzlichen Tonnen sollen das Mehrgewicht der Akkus wettmachen. Aus der Praxis weiß Weber: „Das reicht nicht.“ Ein konventioneller Lastkraftwagen sei gegenüber dem emissionsfreien bei der Tonnage im Vorteil. „Die Spediteure brauchen eine EU-weite Anpassung des zulässigen Gesamtgewichts auf 44 Tonnen für emissionsfreie E-Lkws“, schlägt sie in der offenen Fragerunde Manfred Weber vor. „Erst dann wird der E-Lkw gegenüber dem Diesel konkurrenzfähig.“ Zudem verwies Katharina Weber auf rechtliche Hürden bei der Ladeinfrastruktur. Genau diese Unklarheiten hielten viele Kunden aktuell noch davon ab, eigene Ladesäulen zu errichten.
EVP-Chef Manfred Weber zeigt sich dankbar für den Vorschlag aus der Praxis. Man ist sich einig: Die Brüsseler Bürokratie sollte der Wirtschaft vor Ort zuhören, damit sie Verordnungen näher an der Lebensrealität ausgestaltet. Hier kommt den IHKs aus Sicht des europäischen Spitzenpolitikers mit ostbayerischer Verwurzelung eine zentrale Aufgabe zu. „Die Politik ist auf gebündelte Kompetenz angewiesen. Wir haben genug Blasen, wir brauchen Konsens und den Willen zum Miteinander. Wir brauchen Bündelung, und die leistet eine IHK“, so Manfred Weber.
Licht ins Verordnungsdickicht
Wo Verordnungen gut gemeint, aber komplex gedacht sind, müssen die Interessenvertreter tätig werden. Beispiel EU-Entwaldungsverordnung EUDR: „Da haben wir mithilfe der IHK nachsteuern können“, sagt die Büromöbelherstellerin Ursula Hammerbacher, die auch das IHK-Gremium Neumarkt leitet. Nun treibe die neue EU-Verordnung zum Recycling von Verpackungsmaterial, PPWR, Sorgenfalten auf die unternehmerische Stirn. Deren komplexe Meldepflichten beträfen sehr viele heimische Betriebe.
Druckereiunternehmer Josef Helmberger aus Regensburg führt die gegen Greenwashing gerichtete EmpCo-Richtlinie ins Feld und fragt sich angesichts bereits getätigter Zertifizierungen wie FSC und Umweltmanagements nach EMAS: „Wie viele Zettel muss ich noch ausfüllen, um meine Prospekte drucken zu dürfen?“
Manfred Weber wirbt für Verständnis bei den EU-weiten Harmonisierungen. „Bevor die EU die Verpackungsverordnung auf den Weg gebracht hat, hatte jeder Mitgliedstaat eigene Regelungen. Die Idee war: Lasst uns im Binnenmarkt eine rechtssichere Regelung finden, mit der wir 27 Einzelregelungen abschaffen.“ Der Umstieg, gibt Weber zu, erfordere wie so oft viel Aufwand bei den Unternehmen. „Wenn PPWR aber eingeführt ist, gibt es EU-weit einen verlässlichen rechtlichen Rahmen“, verspricht er.
„Wir tun das aus Leidenschaft und Überzeugung“
Gastgeber Urs Herding merkt gegenüber Weber an, dass er als spezialisierter Mittelständler darunter leide, dass bürokratische Regelungen zu sehr auf Stückzahlen und Standards multinationaler Konzerne ausgerichtet seien. „Helfen Sie uns, dass wir unsere fast 50-jährige Firmengeschichte weiter am heimischen Standort fortführen können. Wir tun das aus Leidenschaft und Überzeugung, aber wir brauchen die Unterstützung der Politik dabei“, lautet der Appell des ostbayerischen Mittelständlers an den Brüsseler Spitzenpolitiker.