Stadt Neumarkt zahlt erste Gemeinwohlprämien an Landwirte aus
31.07.2026 – Neumarkt
Die Stadt Neumarkt hat im Rahmen ihres Pilotprogramms zur Gemeinwohlprämie im Bürgerzentrum in der Alten Schule in Pölling die ersten konkreten Ergebnisse vorgestellt. Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn überreichte an insgesamt sechs Betriebe „Urkunden der Wertschätzung“. Gleichzeitig wurden erste Vergütungen an teilnehmende Landwirtinnen und Landwirte ausgezahlt. Grundlage ist die sogenannte Regionalwertleistungsrechnung, mit der ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Leistungen der Landwirtschaft messbar gemacht werden – Leistungen, die im klassischen Wirtschaftssystem bislang auf keiner Rechnung auftauchen.
Der Stadtrat hatte deshalb einstimmig beschlossen, 100.000 Euro für die Honorierung dieser sogenannten Gemeinwohlleistungen bereitzustellen. Neumarkt ist damit die bundesweit erste Kommune, die ein Vergütungsprogramm auf Basis der Regionalwert-Leistungsrechnung aufgelegt hat.
Sieben Betriebe machen mit, fünf erhalten bereits eine Prämie
Aktuell nehmen sieben landwirtschaftliche Betriebe an dem Programm teil. Fünf von ihnen haben bereits einen Nachhaltigkeitsgrad von mindestens 55 Prozent erreicht und erhalten dafür eine Prämie zwischen 2.300 und 3.500 Euro. Der durchschnittliche Nachhaltigkeitsgrad der teilnehmenden Betriebe liegt bei 68 Prozent.
Für sechs der Betriebe, darunter zwei ökologisch wirtschaftende, liegt bereits eine detaillierte Auswertung vor: Insgesamt wurden Nachhaltigkeitsleistungen im Wert von 448.000 Euro erbracht, umgerechnet rund 1420 Euro pro Hektar. Zu den weiteren Kennzahlen zählen unter anderem 490 gehaltene Nutztiere, 48 Prozent Flächenanteil mit reduzierter Bodenbearbeitung, 89 Prozent betriebseigene Futtermittel, 11 Hektar Blühflächen sowie 29.300 kWh selbst produzierter Strom. Besonders gut schneiden die Betriebe in den Bereichen regionale Wirtschaftskreisläufe (80 %) und regionale Vernetzung (89 %) ab; auch bei Klima & Wasser (79 %), Beschäftigungsverhältnissen (79 %) und Tierwohl (77 %) liegen die Durchschnittswerte auf hohem Niveau.
Starke Partner aus Wissenschaft und Praxis
Möglich wurde das Pionierprojekt durch die Zusammenarbeit mit mehreren Partnern: Die Regionalwert Leistungen GmbH mit Geschäftsführer Christian Hiß und Projektleiter Eric Waibel begleitete die Entwicklung des Programms von Anfang an fachlich und technisch. Auch das Kompetenzzentrum Nachhaltige Ernährungs- und Ressourcenwirtschaft der TH Nürnberg am Sustainability Campus Neumarkt unter Leitung von Prof. Dr. Jan Niessen war von den ersten Überlegungen an eingebunden. Zudem konnte auf die praktischen Erfahrungen der Neumarkter Lammsbräu zurückgegriffen werden, die bei der Anwendung der Regionalwertleistungsberechnung im Unternehmensumfeld Vorreiter war. Koordiniert wird das Programm von Ralf Mützel, Amtsleiter des Amtes für Nachhaltigkeit bei der Stadt Neumarkt.
Programm läuft über drei Jahre – weitere Betriebe können mitmachen
Das Pilotprogramm ist auf drei Jahre angelegt. Die Stadt Neumarkt ruft weitere Landwirtinnen und Landwirte in Neumarkt dazu auf, sich zu beteiligen, auch noch im aktuell laufenden Jahr. Auch bei Betrieben, die den Mindestnachhaltigkeitsgrad von 55 Prozent noch nicht erreichen, lohnt sich laut Ralf Mützel die Teilnahme: Sie erhalten im Rahmen der Auswertung einen umfassenden Satz an Kennzahlen, mit denen sie konkret im eigenen Betrieb weiterarbeiten können.
Die Landwirte, die als erste eine Gemeinwohlprämie erhalten haben, sind Markus Grübler, Hierl Agrar GbR, Stefan Kerschensteiner, Christian Risch und Thomas Schuster.
Übergabe der „Urkunden der Wertschätzung" an die ersten Landwirte im Neumarkter Vergütungsprogramm für Gemeinwohlleistungen (ganz links: Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn, ganz rechts Christian Hiß, Geschäftsführer von Regionalwertleistungen GmbH, sowie Prof. Dr. Jan Niessen vom Sustainability Campus der TH Nürnberg (3. von rechts). Bild: Stadt Neumarkt, Lara Koller