Jetzt handeln – sonst geht Bayerns Schweinehaltern die Luft aus

22.07.2026 – München

Krisengespräch mit Staatsministerin Kaniber verdeutlicht dringenden Handlungsbedarf
 
Die Preise für Schlachtschweine und Ferkel sind trotz schönstem Sommerwetter; Grillsaison und Fußballweltmeisterschaft massiv eingebrochen, während gleichzeitig die Produktionskosten insbesondere durch die Iran-Krise deutlich gestiegen sind. Der Bayerische Bauernverband (BBV) hatte deshalb kurzfristig zu einem Krisengespräch eingeladen, an dem Staatsministerin Michaela Kaniber sowie über 30 Vertreterinnen und Vertreter aus Erzeugung, Schlachtung, Metzgerhandwerk, Gastronomie und weiteren Organisationen der Branche teilnahmen.

Die Situation ist alarmierend. Die aktuellen Erzeugerpreise decken, auch im Biosegment, nicht einmal mehr die variablen Kosten. Aber nicht nur die Rentabilität bleibt auf der Strecke, sondern auch die Liquidität. Den Schweinehaltern fehlt schlicht das Geld, um die Produktion aufrecht zu erhalten. Besonders betroffen sind Betriebe, die entsprechend den Wünschen von Gesellschaft, Politik und Markt in neue Tierwohlställe investiert hatten. Erschreckend ist außerdem: Einige Betriebe nehmen inzwischen selbst von Investitionsvorhaben mit bereits bewilligter staatlicher Förderung Abstand. Angesichts dieser existenzbedrohenden Situation fordert der BBV die schnelle Umsetzung von Zinszuschüssen bei Darlehen der Rentenbank, steuerliche Hilfsmaßnahmen und Abschlagszahlungen auf die Direktzahlungen. (Zu den gesamten Forderungen im 8-Punkte-Plan des BBV.) „Jetzt muss schnell gehandelt werden, sonst geht unseren Schweinehaltern die Luft aus", betont BBV-Präsident Günther Felßner. "Hier steht die gesamte Wertschöpfungskette von bayerischem Schweinefleisch im Feuer!“

Über akute Liquiditätshilfen hinaus braucht es aus Sicht der Teilnehmer verlässliche politische Signale für eine Zukunft der Schweinehaltung. Dazu gehört, die 2020 beschlossenen, über EU-Recht hinausgehenden nationalen Vorgaben zur Zuchtsauenhaltung (Deckzentrum ab 2029, Abferkelbucht ab 2036) auszusetzen und dann inhaltlich und im Tempo an die Umsetzung der kürzlich vorgestellten EU-Nutztierstrategie anzugleichen. Viele Teilnehmer warnten, dass ein Festhalten an den nationalen Alleingängen zum Ausstieg zahlreicher Sauenhalter führen wird.

Weiteres zentrales Gesprächsthema waren Herkunft und Regionalität als Alleinstellungsmerkmal am Markt. Programme wie „Geprüfte Qualität Bayern“ und das Bayerische Biosiegel bieten dafür eine hervorragende Grundlage. Der BBV appellierte an Handel, Verarbeitung und Gastronomie, auf bayerisches Schweinefleisch zu setzen und günstigen Angeboten aus dem Ausland zu widerstehen. Auch Verbraucher können etwas bewegen und beim Einkauf, in Kantinen und Restaurants auf die Herkunft von Schnitzel, Bratwurst und Co. achten. Die Gesprächsrunde war sich einig, dass es "Patriotismus auf dem Teller" braucht. Denn in der Land- und Ernährungswirtschaft ist Versorgungs- und Arbeitsplatzsicherung von ebenso essentieller Bedeutung wie in der Industrie.

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber unterstrich den akuten Handlungsbedarf und stellte die Sicherung der Liquidität der schweinehaltenden Betriebe an erste Stelle. Zugleich sprach sie sich für Maßnahmen zur Stärkung des Absatzes von heimischem Schweinefleisch aus. Ebenso brauche es spürbare Entlastungen bei den Betriebskosten, den konsequenten Abbau bürokratischer Belastungen – insbesondere bei der Tierhaltungskennzeichnung – sowie endlich verlässliche Planungssicherheit durch eine zügige Umsetzung der im Koalitionsvertrag angekündigten Vorhaben für die Landwirtschaft. Nur wenn die Betriebe wieder wirtschaftlich arbeiten könnten, habe die bayerische Schweinehaltung eine Zukunft.

Auch die Branche selbst sieht sich in der Pflicht: Bei Preisbildung und Preisabsicherung braucht es mehr Verbindlichkeit und Verlässlichkeit entlang der Wertschöpfungskette, damit Marktrisiken nicht einseitig auf den Erzeugern lasten. Dazu wird der BBV Branchenvertreter zu einem gesonderten Gespräch einladen.

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